L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

„Free Iran“-Demo in Luxemburg

Wenn sich in anderen Ländern Demos bilden, um gegen einen Umstand zu demonstrieren, der nicht mit dem eigenen Land zu tun hat, hat das immer etwas leicht Absurdes. Denn eine Versammlung kann wohl kaum dazu beitragen, dass sich in dem zu kritisierenden Gegenstand etwas ändert. Ebenso werden Leute, die im betreffenden Land unter Lebensgefahr auf die Straße gehen, sich nicht um die Gestalten scheren, die in Sicherheit Solidarität bekunden.

Trotzdem ist Anwesenheit und Unterstützung keine bloße Kosmetik. Erstens geht es darum den Exil-Iranern (welche zusammen mit der ASTI die Demo heute organisiert haben) zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und auch vermeintlich Unbeteiligten die Freiheit anderer Ländern mit unterdrückenden Regimes wichtig ist. Zweitens soll es ein Signal an die eigenen Regierungen sein, dass sie eventuelle Sanktionen unterstützen und nicht noch die Nähe eines totalitären Politsystems suchen. Und schlussendlich soll es Europa erreichen: Das Europaparlament soll sich nicht so herumducken wie die US-Regierenden.

CK und ich trafen kurz nach 12 Uhr am Treffpunkt bei der „Gëlle Fra“ ein. Während CK die Zahl der Anwesenden begrüßte, fand ich sie etwas dürftig. Die Anzahl der europäischen und iranisch/arabisch-stämmigen Demonstranten hielt sich in etwa die Waage. Es waren zwar deutlich mehr Männer da, aber von den Frauen trug keine einen Schleier, was in Anbetracht der Schleierpflicht, welche Ayatollah Khomeini vor dreißig Jahren einführte, einen sehr politischen Beigeschmack gehabt hätte. Das zum Symbol gewordene Bild Nedas war das vorherrschende Thema auf den Plakaten. Im Gegensatz zu anderen Demos wurde auf zuviel Effekthascherei verzichtet, es wurde klar, dass die Anwesenden ihr Anliegen ernst meinten und sie nicht ihre Partei oder Nationalität oder sonstigen Club in den Vordergrund stellten.

Während eine Frau zunächst auf persisch, dann auf französisch Gedichte vortrug, zählte ich ca. 80-100 Leute. Die Zeit der Demo, freitags mittags von 12-14 Uhr, mag nicht viele Menschen anziehen, ebenso war keine große Werbung angelaufen – viele Leute wussten wahrscheinlich gar nicht, dass eine Solidaritätsbekundung stattfand. Einige der Gréng waren als einzige Partei anwesend, aber auch nur, weil man die Gesichter kennt. Es wurde keine Fahnen von Parteien oder sonstigen Gruppen geschwenkt, die beiden Gewerkschaftler, welche später kamen, ließen ihre Fahnen auch zusammengerollt und gingen kurz danach wieder. Es wäre auch fehl am Platz gewesen, seine eigenen Gruppen zu promoten, wo es doch um ganz andere Sachen geht. Da passte es ganz gut zum Gesamtbild, als einer der Macher mit ein paar großen Tüten voller Wasserflaschen ankam, und auch CK und mir, nachdem wir ca. eine Stunde in der prallen Sonne standen, ebenfalls eine Flasche Mineralwasser anbot.

Die Rede von Jean Huss, Parlamentsabgeordneter der „Déi Gréng“, war kurz und recht anständig. Vielleicht stehe ich damit alleine da, doch fand ich seine Äußerungen auch etwas naiv. Seinen Verweis auf die „Gëlle Fra“ als Freiheitssymbol fand ich reichlich aufgesetzt, aber na gut. Jede Säkularisierungsbewegung ist zu begrüßen, doch ist Mussawi dafür vielleicht nicht unbedingt der richtige Kandidat. Vielleicht könnte es mit ihm eine Öffnung geben, vielleicht ist er auch nur ein gefälligeres Gesicht. In dem Punkt war die kurze Rede von Herrn Huss vielleicht zu optimistisch. Doch lassen wir uns überraschen. Unzweifelhaft kam es zu Wahlbetrug, auch wenn unter Umständen Ahmadinedschad ohne die Geisterstimmen gewonnen haben könnte, schwebt der Betrug über der neuen alten Regierung und dem Wächterrat.

Die folgende Rednerin konnte ich nicht verstehen, da sie sehr leise, dann auch noch neben das Mikrophon des Megaphons sprach und der Straßenverkehrslärm an der „Gëlle Fra“ immer recht hoch ist.
Es wurden wohl nicht viele Leute erwartet, nur so ist es zu erklären, dass uns zunächst ein Flugblatt in Farsi in die Hand gedrückt wurde. Das Flugblatt, das später, ich nehme an, es war das gleiche, auch in englischer Sprache vorlag, verwies allerdings auf Michael Ashbrook, welcher bereits vor knapp 2 Wochen durch seinen antizionistischen Unsinn auffiel. Zumindest war er diesmal nicht ausfallend.
Doch andererseits ist es von allen Demos der letzten Monate wohl die ehrlichste gewesen, es ging nicht darum zu zeigen, dass man von den Grünen, der Linken (von denen ich niemanden sah), Gewerkschaft XY u.s.w. war, es war eine Ansammlung von Individuen, die nur eines im Blick hatten: ihre Solidarität bekunden mit einem Land, das seit 30 Jahren unter der Fuchtel von religiösen und politischen Fanatikern steht und sämtliche Freiheitsbestrebungen im Keim erstickt. Es war eine symbolische Aktion für die Exil-Iraner und auch für unsere Parlamentarier. Vor allem Letztere sollten die Diplomatie ablegen und sagen was Sache ist. Sie gehen damit so wenig Risiko ein wie wir, wenn wir hier in Mitteleuropa eine Menschenmenge bilden. Es wurde keine Agenda vorgetragen, keine Forderungen gestellt. Es war eine reine Solidaritätsbekundung, wie sie jetzt in deutlichen Worten von den Mächtigen dieser Welt kommen muss!

Berichte zur luxemburger Demo:
RTL.lu
wort.lu
asti.lu
tageblatt.lu (inkl. Foto-Reihe)

Auch lesenswert:
Slavoj Zizek zum Thema
Daniel Pipes
(via Free Iran Now)

Juni 26, 2009 - Posted by | Aussenpolitik, Iran, Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft, Pluralismus, Toleranz | ,

1 Kommentar »

  1. Ihr werdet ja noch zu regelrechten Berufsdemonstranten *grins*. Ich konnte leider nicht nach Luxemburg-Stadt kommen über Mittag, aber schön zu hören, dass die Demo halbwegs gut besucht war, denn allzu groß war sie ja im Vorfeld nicht gerade angekündigt worden.

    Kommentar von nestor | Juni 26, 2009


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