L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

„Deutscher Wertemonitor“ der FNS

Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hat die Ergebnisse der letzten Umfrage zum Thema Gesellschaft und Freiheit veröffentlicht.

„Wie stark sind liberale Grundsätze in der Gesellschaft verankert? Wie hoch werden
sie bewertet? Welchen Veränderungen unterliegen sie? Wie frei ist die Gesellschaft
tatsächlich? Welche die Freiheit definierenden Werte werden geschätzt oder nicht
geschätzt? Welche sind gefährdet?
Diesen Fragen wird in der hiermit vorgelegten Studie zum „Deutschen Wertemonitor“
nachgegangen.“

Studie als PDF

Es fällt auf, dass die Freiheit einen hoch angesehenen Wert darstellt. In der „Wichtigkeit von Eigenschaften“ für eine gut funktionierende Gesellschaft“ belegt sie den ersten Platz. 71% sehen sie als „sehr wichtig“, weitere 27% als „wichtig“ an. „Gleichberechtigung“ folgt dicht mit 68%, resp. 30%. Auf den hinteren Rängen findet man Nationalbewusstsein (mit 23% sehr, weiteren 42% wichtig) und Religiosität (15%, 30%), wobei letztere mit 17% als „unwichtig“ die größte der negativen Gruppen beinhaltet. Leider definierten die Fragesteller nicht, was genau Gleichberechtigung zu bedeuten habe. Die Ost/West-Unterschiede sind erwartungsgemäß vorhanden, fallen allerdings in dieser Frage nicht ins Gewicht. Lediglich sehen die Befragten aus der ehemaligen DDR die Gleichberechtigung mit 69% „sehr wichtig“ noch vor der Freiheit mit 65% (mit den „wichtig“-Stimmen sind es aber noch 99%).
Religiosität ist im Westen allerdings mehr gefragt als im Osten, der dafür dem Nationalbewusstsein einen höheren Stellenwert einräumt. Soviel zu einer erwartenden Statistik. (Grafiken S.16ff)

Beunruhigender sind aber andere Ergebnisse:
„Voraussetzungen für das Funktionieren der Demokratie“ halten 45% eine starke politische Führung für „sehr wichtig“, weitere 43% für „wichtig“. Vergleichweise gering ist das Zugeständnis an die Parteivielfalt, nur 36% sehr, 43% wichtig. An dieser Stelle kann maan drüber streiten, inwiefern der Freiheitswille und der Ruf nach einer starken Hand sich gegenseitig ausschließen. (S.24)

Ebenso entscheiden sich im „Zweifelsfalle“ 46% für Ordnung und Sicherheit, 47% für Bürgerrechte. In letzterer Gruppe sind besonders Menschen zwischen 18 und 24 Jahren (52%, 35-59Jahre 50%), Leute mit Gymnasiumsabschluss (58%, Uni-Abschluss 54%), Männer 51% (Frauen 44%), aus dem Westen (50% zu 36% Zustimmen der Ostbewohner) und höherer Gehaltsklasse (2500-3500€ mit 51%, über 3500€ sogar 55%). (S.26)
Bei den 46% der Zustimmungen für Ordnung und Sicherheit sind die Spitzenreiter aus dem Osten (55%), weiblich (48% zu 44% der Männer), über 60 Jahre alt (59%) mit Hauptschulabschluss (58%, Realschule 52%) und in den unteren Einkommensklassen zu finden (51% bei weniger als 1000€). (S.27)

Insgesamt sind die Leute mit dem Rechtsstaat zufrieden (63%). (S. 28)
Mit 53% hat die „Härte gegen Rechtsbrecher“ einen stabilen Wert gegenüber den 36%, die Resozialisierung und Therapie den Strafen bevorzugen. Interessanterweise sind hauptsächlich junge Menschen (47%) aus dem Westen (38% gegen 30 aus dem Osten), Gebildete (45% der Akademiker) und Besserverdienende (46%) für therapeutische Maßnahmen.
Den autoritären Kurs bevorzugen Haupt- und Realschulabsolventen (65% und 60%), Menschen aller Altersklassen (junge 50%, Mittelfeld um 54-55%, ältere 51%) und die mittlere. Einkommensklassen.
Insgesamt ist diese Fragestellung nicht sehr aussagekräftig, da die fehlenden 11% keine Aussage gemacht haben, oder auch die Frage zu allgemein gestellt wurde, als dass man so allgemein etwas dazu sagen möchte, zumal „Härte“ einer näheren Beschreibung bedürfe. (S.31ff)

Ca. die Hälfte der Befragten findet das Gesellschafts- und Sozialsystem insgesamt „gerecht“. Die Teilfragen werden dann aber deutlich kritischer beurteilt, dem Spitzenreiter „gleiches Recht für alle“ geben nur 34% (9% sehr, 25% zufrieden) ihre Zufriedenheitspunkte. „Vorrausetzungen für die Gewährleistungen von Gerechtigkeit“ ist ein einfaches, gerechtes Steuersystem (68% sehr, 28% wichtig) aber auch wirtschaftliche Freiheit schneidet überraschend gut mit 31% „sehr wichtig“ und 41% „wichtig“ ab (die 5% „völlig unwichtig“ geben bei dieser Frage den höchsten Wert des anderen Endes der Skala an). Einen hohen Spitzensteuersatz sehen insgesamt 76% (35% & 41%) als wichtig an. (S.34ff)

In der Kategorie „individuelle Freiheit oder gesellschaftliche Solidarität“ ist das Ergebnis ebenfalls zwiespältig: „im Zweifelsfall entscheiden sich für“ Erstgenanntes 43% (was ein Minus von 4% gegenüber 2006 ist). Gesellschaftliche Solidarität und Gleichheit 50% (ein Zuwachs von 3% seit 2006). Da alles den Anschein hat, dass Solidarität und Gleichheit nur mit staatlicher Suppression zu erreichen ist (machen wir uns nichts vor, weltweiter Friede-Freude-Eierkuchen ist nicht von heute auf morgen oder innerhalb der nächsten Generation möglich), macht diese hohe Zustimmung, auch und vor allem im Verbund mit der oben genannten Befürwortung einer starken Hand, doch nachdenklich.
Hauptbefürworter der individuellen Freiheit und Eigenverantwortung sind hauptsächlich Männer (49% zu 37% bei den Frauen) aus dem Westen (46% zu 30%), mit höherer Bildung (Gymnasium 50%, Akademiker 45%) und hohem Einkommen. Befürworter von Solidarität und Gleichheit sind besonders Frauen (55%, bei 45% Männer), niedrigerer Bildung (Real- und Hauptschule mit 56%, resp. 54%) mit geringem Einkommen (57%). (S.37ff)
Insgesamt ging die Befürwortung der individuellen Freiheit leicht zurück im Vergleich mit 2006, Ausreißer gibt es bei den einzelnen Punkten keine.

So erstaunt es schon fast, dass die Marktwirtschaft von 2/3 der Leute mit „zufrieden“ bewertet wurde. Bei der punktuellen Auswertung zeigt sich wiederum, dass diese 2/3 nicht allem zustimmen, die Einkommensverteilung und die Bürokratie schneiden sogar sehr schlecht ab. 58% wollen die Arbeitnehmerrechte gestärkt sehen.
Die „Voraussetzungen für das Funktionieren der Marktwirtschaft“ sind dann insgesamt sehr akzeptiert, Eigentum, gleiche Rechte, Leistungsbereitschaft, Wettbewerb und Vertragsfreiheit schneiden insgesamt sehr gut ab. (S.41ff)

Dem Trend folgt die Auswertung zum freien Wettbewerb und Absicherung. Waren 2006 noch 33% der Meinung, man brauche mehr freien Wettbewerb, ist diese Zahl auf 25% gesunken. Gleichsam stieg der Ruf nach mehr Absicherung von 42% auf 47%. (S.44ff)
Im direkten Vergleich ließ die Befürwortung für mehr freien Wettbewerb stark gegenüber 2006 nach. Besonders im Westen sank der Prozentsatz der Befürworter von 36 auf 26%. Der Osten sank nur von 24 auf 22%. Die Einkommensklasse der Besserverdienenden verlor sogar 18% an Befürworter. (S.48)

1/3 der Befragten (30%) glaubt, dass Freiheiten zu Missbrauch einladen. 62% halten Freiheiten für konstruktiv. Diese %-Zahl hat sich seit 2006 nur um 1% verschoben. Dies wird untermauert durch die 50%, welche sich als frei bezeichnen, weitere 36% haben Schwierigkeiten, werden diese aber meistern. Auch bei dieser Gruppe sind die gleichen Befürworter und Gegner zu finden. (S.49ff)

Interessant ist der sogenannte „Freiheitsindex“ (wer genau wissen möchte, wie das funktioniert, kann alles im pdf zur Studie nachlesen). Die somit ermittelten Gruppen teilen sich in vier Kategorien ein, wobei Indexgruppe 4 einen sehr hohen Stellenwert von Freiheit vertritt, 3 hoch, 2 gering und Indexgruppe 1 sehr niedrig. (S.54ff)
Gruppe 4 und 5 machen mit 54,3% die Mehrheit aus. (Grafik S.62) Männer sind in dieser Gruppe eher vertreten als Frauen, ebenso jüngere Leute und Menschen mit hoher Bildung und besserem Einkommen. Wenn man die einzelnen Gruppen aufdröselt in das anfangs dargestellte Gesamtschema, fällt vor allem auf, dass der Freiheitsgrad mit Geringschätzung von Nationalbewusstsein und Religiosität einhergeht. Die Frage nach der Sicherheit und Ordnung ist bei der Indexgruppe 4 mit 36% Zustimmung zwar auch wichtig, aber verblasst zu den 62% Befürwortern der Indexgruppe 2. (S.63ff)

Was ziehen wir also für Schlüsse aus dieser Umfrage?
Menschen, die unter widrigen Umständen leben, neigen eher dazu den Staat um Hilfe anzusuchen. Das war schon immer so und wird wohl immer so sein und dem ist auch kein Vorwurf zu machen. Nur sollte aufgepasst werden, dass diese Gruppe nicht zu groß wird. Mit staatlicher Hilfe und mit staatlichen Unterstützungsprogrammen und mit staatlichen Subventionen und mit staatlichen Gleichheitsgesetzen kann man nicht die Gruppe 1 in die Gruppe 4 ziehen. Würde jemand die Freiheit und Unabhängigkeit hochhalten, wenn er alles, was er hat und ist dem staatlichen Apparat zu verdanken hat? Wie soll man sich von Vater Staat emanzipieren, wenn er Einen nicht lässt?
Basis sollte daher vor allem ein besseres Schulsystem sein, so dass jeder seine Chance bekommt nach seinen Bedürfnissen und seinem Können sein Wissen anzueignen. Und da bei jedem Kind und jedem Elternhaus die Ansprüche und Fähigkeiten anders festgelegt sind, kommen wir wohl um ein pluralistisches Angebot von Schulen nicht herum.

Dazu auch ein Interview mit Wolfgang Gerhardt, wo die Junge Welt nicht gerade durch intelligente Fragen auffällt, dafür Gerhardt passend sagt:

„Die Umfrageergebnisse deuten an, daß wir hellwach sein müssen, uns nicht in eine andere Richtung zu entwickeln.“

In der Tat.

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April 3, 2009 - Posted by | Allgemeines, Klassischer Liberalismus, Wirtschaft | , , ,

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