L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Was ist Kapitalismus?

Als ich vor zwei Tagen in einem Kommentar gefragt wurde, (1) wo ich denn die Erfolge des Kapitalismus sähe und ob (2) Freiwilligkeit nicht zur Ausbeutung vieler durch Wenige führen würde, zumal es (3) „wie es momentan in sowohl durch Gesellschaftsschichten als auch (4) global zu erkennen“ sei, wurde mir eines klar: die Deutungshoheit über den Begriff und die Definition von Kapitalismus ist bei denen gelandet, die überhaupt nicht wissen, um was es geht.

1) Die Erfolge des Kapitalismus sind anscheinend so offensichtlich, dass sie wohl zu schnell übersehen werden. Seit dem späten 18 Jh. (der Beginn des Kapitalismus und Überwindung des Feudalismus, resp. der absoluten Monarchie) stieg der Lebensstandard stetig an. Wohlstand und Freiheit sind die wohl wichtigsten Resultate dessen, was man als Kapitalismus bezeichnet. Seitdem kamen viele Leute, unabhängig von ihrem Stand, zu Wohlstand und Freiheit (der Freiheit sein eigenes Glück zu verfolgen, unabhängig vom Stand und Erbe). Es waren nicht mehr die Könige und Fürsten, denen ein gutes Leben vorgegeben war. Der Mensch wird frei geboren und jeder hat selbst die Möglichkeit sein Glück zu verfolgen. Dies ist ein zentrales Motiv des freien Kapitalismus. Somit ist er die einzige Gesellschaftsform, welche die Ideale der Aufklärung hochhält, die Ausnahmestellung des Menschen und die Freiheit des Einzelnen so zu handeln, wie er es für richtig hält. Um es ganz einfach zu sagen: Kapitalismus entsteht, wenn der Einzelne tut, wie es ihm beliebt. Kein Gott und kein Staat, kein König oder Papst steht über ihm. Die einzige Instanz, auf die der Mensch hören soll, ist seine Vernunft. Mit unvernünftigen Handlungen (wie Sand in der Wüste zu feil bieten, Waren viel zu teuer oder viel zu billig verkaufen, Kunden anpöbeln) bleibt kein Geschäftsmodell bestehen.
2) Das Prinzip der Freiwilligkeit führt daher nicht zur Ausbeutung, weil es dem Menschen frei gestellt ist zu tun, was er möchte. Wenn er sich ausgebeutet fühlt, kann er einfach weg gehen und z.B. eine Konkurrenzfirma aufmachen (was eine gute Werbung sein kann). Der Mensch wird zum moralisch Handelnden, nicht, weil er muss (erzwungene Moral ist keine, ebenso ist es auch unmoralisch jemanden zu zwingen gut oder moralisch zu sein), sondern weil er es kann und es sogar besser für sich und sein Anliegen ist, z.B. ist es keine gute Werbung, wenn der Bäcker schlechtes Brot verkauft oder Brot aus Sklavenhaltung – der mündige und informierte Kunde (auch ein Resultat der freien Marktwirtschaft) geht dann zum nächsten.
3) Gesellschaftsschichten sind nicht durch höhere Instanzen gegebene Zustände und sollten mit einem freien Kapitalismus geschwächt werden, weil es im Kapitalismus nicht darum geht, wer du bist, sondern was du kannst, wer gut in seiner Sache ist, kommt auch weiter. Und was für den Architekten gilt, gilt auch für den Arbeiter. Gesellschaftsschichten entstehen eher dadurch, dass sich Gruppierungen so definieren oder ein Zuviel an Staat (oder Religion) sie dazu macht. Hier gilt das Prinzip Eigenverantwortung, was aber durch die aktuelle Politik der Victimisierung (jeder will vor dem fetten Staat als größere Opfer dastehen, um mehr abzugreifen, wirkliche Opfergruppen werden abgedrängt und verwässert) gehindert wird. Klar, vorurteilige Menschen wird es gibt es immer geben, aber auch der vorurteiligste Geschäftsmann muss umdenken, wenn der offene Konkurrent an ihm vorbeizieht, weil er eben z.B. auch großartige Frauen in seinem ansonsten männerdominierten Berufsstand hat.
4) Global haben wir keinen Kapitalismus, Kapitalismus zeichnet sich dadurch aus, dass der Einzelne sein Glück suchen darf und kann. Auf Erfüllung gibt es kein Recht! Dieser Unterschied zwischen Erfüllung und „pursuit of happiness“ ist wichtig zum Gesamtverständnis und jeder wird zustimmen, dass die Erfüllung des Glücks kein Naturrecht sein kann, denn dann stünde jedem z.B. ein Ferrari zu, eine hübsche Frau / ein stattlicher Mann, ein prall gefülltes Konto und ein Swimming Pool, ohne dafür auch nur einen Finger krumm zu machen. Global sind die momentanen Verlierer eher Länder, in denen Tyrannen ihr Unwesen treiben, Länder, die in theokratischen (also totalitären) Strukturen ersticken, oder eben wo Eigentum nicht zu den Grundrechten gehört. Das hat mit Kapitalismus wenig zu tun. Besonders das Recht auf Eigentum ist wichtig um die Freiheit (auch und gerade die Redefreiheit) zu wahren.

Um mal kurz philosophisch zu argumentieren: Die Freiheit gehört zum wichtigsten, was den Menschen ausmacht. Der Mensch hat die Fähigkeit und den Intellekt seinen Weg zu gehen, auch im Hinblick auf andere. Wenn wir den Menschen prinzipiell als Tier begreifen, der nur nach sich schaut und andere unterjochen möchte, dann sind Gedanken Richtung Kontrolle nur folgerichtig (wobei auch der Kontrolleur Mensch ist und demnach sich die Idee in der Folge selbst negiert). Aber diese theoretische Herangehensweise ist nihilistisch und menschenverachtend. Und falsch.
Ich bin kein Anarchist, ich denke, dass ein Minimalstaat notwendig ist, um die Menschen vor den wirklich ausfallenden Leuten zu schützen, der Staat sollte das Gewaltmonopol besitzen. Die Anwendung von Gewalt erfolgt aber nach sehr strengen Regeln und dient nur um einen Angegriffenen zu verteidigen, nicht um aktiv im eigenen Interesse gegen jemanden vorzugehen. Aber sogar über das Privatisieren des Gewaltmonopols kann man streiten. Dennoch, die größten Verbrechen dieser Welt geschahen und geschehen, wenn ein totalitärer und allmächtiger Staat dahinter steckt.
Ein Staat, der dermaßen reguliert, wie es wohl in den kommenden Jahren immer näher rückt, wird nicht alleine bei der Kontrolle der Finanzmärkte (wo eh niemand weiß, was genau dort genau geschehen soll) bleiben. Der Einzelne wird nach und nach in seinen Fokus kommen, alles mit der Begründung „zum Wohle der Allgemeinheit“. Und damit, wie oben ja bereits gesagt, handelt der Staat unmoralisch, gegenaufklärerisch und unterdrückend. Ich sehe darin keine Alternative zum Kapitalismus, wo zwar keine „Erfüllung des Glücks“ versprochen wird, dafür aber wenigstens realistisch ist und keine Traumschlösser baut, die sich dann als Gefängnisse entpuppen.
Kapitalismus bedeutet Trennung von Staat und Wirtschaft. Was wir im Moment haben ist eine Form die ich eher als Staatskorporatismus bezeichnen würde. Große Konzerne arbeiten mit dem Staat direkt oder indirekt zusammen und sie beeinflussen sich gegenseitig, der Staat gibt Gesetze und die Corporations Gelder. Neugründern werden Steine in den Weg gelegt und wegen des undurchschaubaren Gesetzesdschungels kann man sehr schnell wegen Lappalien weg vom Fenster sein. Nein, das ist KEIN Kapitalismus! Dazu haben wir viel zuviel Staat und viel zu wenig Spielraum für eigene Unternehmungen, als dass man von freiem Kapitalismus sprechen könnte.

Dazu kommt, dass der Kapitalismus ein Wirtschaftssystem ist, das aus den philosophischen Grundlagen wie Freiheit, Eigentum und Gleichheit bei Geburt und vor Gesetz hervorgegangen ist. Diese Grundlagen werden nur im Kapitalismus respektiert, was man unter anderem daran erkennt, dass andere Systeme innerhalb des Kapitalismus funktionieren können. Wer nicht das Spiel mit Starbucks mitmachen möchte, kann auch ins Café an der Ecke gehen oder zuhause bleiben. Ebenso können sozialistische Ideale auf freiwilliger Basis in beispielsweise neu gegründeten Kibbuzim errichtet werden, die dann nach eigenen Regeln funktionieren, sozusagen einer eigenen Gesellschaft inmitten der größeren, allgemeinen Gesellschaft. Das alles ist innerhalb des Kapitalismus erlaubt und sogar erwünscht, da es neue Zielgruppen ermöglicht. Umgedreht wird es schwieriger. In einem staatlich überwachten System, das vieles, und sei es „nur“ die Wirtschaft, kontrolliert (einem Zustand, der bereits in unserer Gesellschaft überschritten wurde), kann man keine kapitalistische Utopie schaffen. Ebenso gilt dies für die Verbreitung von Ideen. Im Kapitalismus können beispielsweise religiöse oder kommunistische Schriften, Kongresse und alles sonst abgehalten werden, Flyer verteilt, Zeitungen gedruckt, etc, ohne, dass es „den“ Kapitalismus stört. Es ist eh keine Instanz da, welche das alles verbieten könnte oder dürfte. Diese Pluralität eröffnet neue Möglichkeiten (Innovation ging häufig von Nerds und Freaks aus) und ist daher sogar erwünschenswert. Umgedreht wird es schwieriger, denn es käme einer Selbstverleugnung gleich, wenn eine solche Freiheit den Kapitalismusverteidigern gegeben wäre. Und da alles unter einer Staatsherrschaft steht, sind Verbote sämtliche solcher kapitalismusfreundlichen Aktionen ein leichtes Unterfangen. Da alle Jobs und Zugänge (sei es zu Territorien, Waren oder Informationen) unter der Kontrolle der staatlichen Autoritäten stehen, wird abweichende Ideologie zur Gefahr – nicht nur für das System, sondern vor allem für den Denkenden.

In Zeiten, wo der philosophische Relativismus Hochkonjunktur hat, ist es unüblich über so etwas Altmodisches wie Naturrechte nachzudenken. Doch sollte man sich auch die Frage stellen, ob man mit gesetzten Rechten ohne Basis nicht einfach im Dunkeln tappt und die Geister der Beliebigkeit heraufbeschwört. Denn selbst der kleinste Relativist dürfte, wenn er seine Einstellung konsequent verfolgt, nicht anderen seine Systemvorstellungen auferlegen, da für ihn eh alles gleichwertig ist. Man sollte für sich selbst abwägen, welches System man aus welchen Gründen unterstützt. Es ist löblich, wenn jemand die Gesellschaft verbessern will, aber auch die besten Absichten werden unmoralisch und falsch, wenn man damit andere Menschen bevormundet und unterdrückt.

Wer mehr wissen will:
William Bernstein – Die Geburt des Wohlstandes (Ökonomie)
Ayn Rand & Andere – Capitalism: the unknown Ideal (Ökonomie und Philosophie, kurze Essays)
US-Verfassung (Staatsphilosophie)
Diese Bücher und Texte sind nicht schwierig zu lesen und sollten klar machen, dass im Moment der herrschende Diskurs in eine vollkommen falsche Richtung läuft.

Ich bin kein Freund von Zitaten, deshalb gibt es nur den Verweis auf ein tolles und nur vordergründig simples Video von Ken Schoolland. Und noch was zum lesen.

Wer jetzt sagt, dass dies nahe an die Ideale eines Anarcho-Sozialismus (oder irgendeiner der vielen Variationen) heran kommt, dass es der Basisdemokratie näher ist als einer Zentralisierung von Macht, hat recht damit. Doch reden wir Klartext: Wer Enteignungen erzwingt, wer dem Einzelnen nicht erlaubt auf redliche Art und mit guten Ideen Millionen zu machen und wer überhaupt jemand anderen mit Gewalt zwingt etwas zu tun, was er nicht tun möchte, handelt nicht kapitalistisch, sondern totalitär. Und mit Totalitarismus hat Kapitalismus nichts zu tun.
Die Trenngrenze zwischen Kommunismus und Kapitalismus ist nicht das Eigentum. Die Trenngrenze verläuft zwischen Zwang und Freiheit, Kollektiv und Individuum, Bevormundung und Eigeninitiative. Und nur der freie Kapitalismus kann diese Freiheiten garantieren.

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April 1, 2009 - Posted by | Anarchismus, Kapitalismus, Klassischer Liberalismus, Libertarismus, Minarchismus, Offene Gesellschaft, Pluralismus | , , ,

9 Kommentare »

  1. Erst mal Danke für die ausführlichen Antworten, das lässt mich die Sache doch schon ein wenig klarer sehen. Mir kommen spontan ein paar Fragen in den Kopf, ich werd mir aber mit dem Formulieren ein wenig Zeit lassen!

    Kommentar von Joël | April 1, 2009

  2. Ich habe einige Probleme mit dem Text.
    1. Was hier beschrieben wird ist eine liberale Gesellschaft und nicht unbedingt eine kapitalistische.
    2. Der Kapitalismus hat nicht dazu geführt, dass sich der Lebensstandard stetig gehoben hat. Wir sind im Moment eher in der Lage, dass der Wohlstand zurückgeht. Im 19. Jahrhundert waren die Arbeiter oft ärmer als die Bauern in den Jahrhunderten zuvor.
    3. Hier steht nur was von Rechten wie Freiheit etc. Allerdings kann keine Gesellschaft dauerhaft funktionnieren, wenn dazu nicht auch Pflichten gehören. Genauso gehört zur Freiheit auch die Verantwortung. Die viel gescholtenen Manager haben eben genau diese Verantwortung nicht wahrgenommen, weder gegenüber der Gesellschaft, noch gegenüber der Firma bei der sie angestellt (!) sind.
    4. Im Kapitalismus entstehen immer wieder Monopole und die führen auf keinen Fall zu mehr Innovationen. Muss der Staat da nicht regulierend eingreifen?

    Kommentar von Laurent | April 1, 2009

  3. Ad Laurent:
    1. Das ist glaube ich bei diesen Debatten immer ein Grundproblem: die Begriffe, die ja nie im Vakuum existieren sondern immer (zwangsläufig) an Bilder und Vorstellungen gebunden sind. Die Beschreibung bezieht sich ja eigentlich (eingestandermaßen) nicht auf den „real exisitierenden“, sondern auf einen idealtypischen Kapitalismus, d.h., auf eine kapitalistische Utopie. Ich finde es ebenfalls problematisch das Ideal einer wirklich freien Marktwirtschaft als „Kapitalismus“ zu titulieren, nicht nur weil der Kapitalismus von der großen Masse mit dem heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem identifiziert wird, sondern auch weil der Begriff von vornherein eine negative Konnotierung hatte (wer’s genau wissen will, siehe hier: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/ahess_1243-2563_1940_num_2_2_3035 ). Ich selber wäre ja tendenziell für die Überwindung der kapitalistischen Form der Marktwirtschaft hin zu einer herrschafts-freien Agora.
    2. Nichtsdestotrotz scheint es mir, ähnlich z.B. dem traditionellen Marxismus, recht eindeutig zu sein, daß die kapitalistische Form der Marktwirtschaft, trotz aller Mißstände, Widersprüche usw. mehr Freiheit und Wohlstand produziert hat als alle vorherigen Gesellschaftsformationen. Natürlich kann man in Krisenzeiten ein (relatives) Absinken des Wohlstandes beobachten; langfristig gesehen haben aber die durchschnittliche Lebenserwartung, die Alphabetisierung als auch die Kindersterblichkeit (im negativen) Höhen erreicht, die in vorindustriellen Jahrhunderten undenkbar waren. Und wenn es den Bauern angeblich im Feudalismus besser ging: wieso bildeten dann gerade sie die Arbeiterarmeen auf die sich die industrielle Revolution stützte?
    3. Freiheit und Verantwortung sind doch gar keine Gegensätze; ganz im Gegenteil: in einem völlig freiheitlichen System herrscht auch vollkommene Eigenverantwortung; jeder ist für sein eigenes Tun gegenüber sich und gegenüber seinen Mitmenschen verantwortlich, d.h. auch dass er mit den Konsequenzen leben muss. Das Verhalten der Manager zeigt aber gerade, dass die herrschende Tendenz der Ruf nach der Nanny namens Staat ist, wenn man durch Eigenverschulden versagt hat – selbst, oder vielleicht auch gerade, bei Leuten die sich „weniger Staat“ ganz gross aufs Revers schrieben.
    4. Ohne jetzt auf historische Beispiele einzugehen, in denen es häufig gerade der Staat war, der Monopolbildungen begünstigte, ist der Staat selber doch der größte Monopolist (Gewalt, Sicherheit, Geld…), in dieser Hinsicht widersprichst du dir selbst.

    Kommentar von Nestor | April 1, 2009

  4. Ad Nestor:
    1. Im Artikel den du zitierst gilt der Kapitalismus vor allem als Begriff für wirtschaftliche Verhältnisse verwendet. Ich denke es ist falsch von Kapitalismus zu sprechen wenn von politischen Freiheiten die Rede ist.
    2. Dass Bauern zu Arbeiter wurden, lag vor allem an dem enormen Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert. Das Problem auf das ich hinweisen wollte ist vor allem, dass der Kapitalismus in seiner jetztigen Form eine Blase nach der anderen produziert. Das kann nicht der richtige Weg zum Wohlstand sein. Der Kapitalismus produziert auch nicht auf der ganzen Welt Wohlstand.
    3. Eigenverantwortung alleine hält keine Gesellschaft zusammen. Mit Verantwortung meinte ich, dass man auch versucht das Allgemeinwohl im Auge zu behalten.
    4. Die Entstehung von Monopolen zeigt aus meiner Sicht, dass sich der Markt nicht alleine regulieren kann. Ein Unternehmen was eine gewisse wirtschaftliche Größe erreicht hat, kann sehr leicht den Markt außer Kraft setzen. Mir wäre nicht bekannt, dass der Staat eine Rolle beim Enstehen des Redmonder Softwaregiganten gespielt hätte…

    Kommentar von Laurent | April 2, 2009

  5. […] for Liberty erklärt den Kapitalismus und Roude Stär den Kommunismus. Sollte das Konzept der augmented Reality bald Wirklichkeit werden, […]

    Pingback von Fireball’s Weblog - (enjoying the postapocalypse) » Blog Archive » Watchtower | April 3, 2009

  6. Laurent, ich beschränke mich mal auf Punkt 4: selbstverständlich hat der Rolle bei der Entstehung des Microsoft-Monopols gespielt: würde Microsoft ohne staatlich eingeführtes, definiertes, verteidigtes und abgesichertes Patentrecht, ohne „geistigem Eigentum“ an Software überhaupt existieren können?
    Hier eine längere Auseinandersetzung mit dieser Frage: http://fare.tunes.org/liberty/microsoft_monopoly.html

    Kommentar von Nestor | April 3, 2009

  7. Liberalismus und Kapitalismus sind für Jay-Jay Synonyme. Für Andere ist Kapitalismus einfach die Übertragung liberaler Prinzipien auf die Wirtschaft, was auch Sinn macht, da gesellschaftliche wie persönliche Freiheit einerseits und wirtschaftliche Freiheit andrerseits- entgegen den Vorstellungen vieler etatistischer Linker wie Rechter- schlichtweg gar nicht voneinander zu trennen sind.

    Ich rede persönlich aber lieber von freiem Markt um klarzumachen, dass Genossenschaften, Arbeiterkollektive (die ja als „sozialistisch“ gelten) usw. nicht im Widerspruch zu AG´s, KgaA´s usw. stehen müssen, sondern eine friedliche Koexistenz verschiedener Unternehmens- und Eigentumsformen problemlos möglich sein sollte, vorausgesetzt sie werden in jeweils gegenseitig einvernehmlicher, friedlicher Übereinkunft gewählt (=Vertragsfreiheit/Grundpfeiler der freien Marktwirtschaft).

    Roude Stär schreibt einige Dinge in seinem Text, die ich sofort unterschreiben würde, solange sie nicht mit Zwang und Gewalt durchgesetzt werden, was aber bei „Enteignungen“ definitiv der Fall wäre.

    Brutal irren tut er jedoch bei der Trennung zwischen Produktionsmittel und nicht-unternehmerischen Privateigentum. Diese Trennung ist so schlichtweg gar nicht möglich. Es sei denn, er will ne Konsumquote von 100%, was aber Wirtschaftswachstum unmöglich machen würde. Denn sobald einer spart oder in eine Firma investiert, wird er zum bösen Kapitalisten(=PM-Eigentümer), den man enteignen muss. Dann aber nimmt man ihm das mit eigener Arbeit erwirtschaftete Geld weg. Ich gehe also arbeiten und mit dem Geld bezahle ich anderen Leuten Produktionsmittel und diese anderen Leuten nehmen mir diese Produktionsmittel einfach weg, weil sie ihnen anscheinend gehören, aber hallo. Und selbstverständlich ärgert dass auch Omis 😉

    Wenn die Gewerkschaften wirklich die Produktionsmittel in Arbeiterhand haben wollen, sollten sie einfach Firmeneigentümer werden. Viele Gewerkschaften haben Schweinekohle, wieso kaufen sie dann die Produktionsmittel nicht einfach völlig legal auf ? Wieso lehnen viele sogar Investivlöhne bereits ab, die der Überwindung der reinen Lohnarbeit dienen ? Diese Fragen, die u.a. Robert Nozick in seinem brillianten Magnus Opu „Anarchie, Staat, Utopia“ aufwirft, sollten sich die Sozialisten und auch die Gewerkschaftler endlich mal stellen.

    Kommentar von CK | April 4, 2009

  8. @Laurent: Selbstverständlich gibt es auch Pflichten. Jedem Recht steht ohnehin stets gleichzeitig eine Pflicht gegenüber. Das Recht jedes Einzelnen auf Freiheit und Eigentum entspricht bspw. der Pflicht die Freiheit und das Eigentum Anderer zu respektieren. Zudem gibt es natürlich auch Pflichten der Eltern ihren (noch unmündigen und nicht für sich selber sorgenden) Kindern gegenüber.

    Es gibt darüberhinaus jede Menge persönlicher, frei gewählter Pflichten. Für religiöse Menschen ohnehin, aber auch für Atheisten. Der Mensch ist nunmal ein soziales Wesen und hat daher allerhand Grund dazu auch ohne staatlichen Zwang für seine Mitmenschen zu sorgen, sich um Freunde und Familie zu kümmern, Krankenversicherungen zu gründen, sich gegenseitig unter Arbeitskollegen zu helfen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen in der Wirtschaft oder sonstwo usw.

    Kommentar von CK | April 4, 2009

  9. Guter Artikel, aber dieser Kapitalismus ist ebenso wie der Kommunismus nicht durchführbar. Zwar hat jeder Mensch die Möglichkeit sein eigenes Glück zu verfolgen und dies zu tun. Nur fehlt es an der moralischen Verantwortung, und ganz besonders daran auch jedem diese Möglichkeit zu geben. Beide Systeme sind niedere Gesellschaftsstrukturen die einzig darauf zielen Macht auszuüben und einzelne Schichten auszubeuten und zu unterdrücken. Warum sonst sind Gesellschaften empfänglich für solche Strukturen. Globales Miteinander, Versorgung, Einbeziehung aller Ressourcen, Nutzung und Weiterentwicklung des technischen Fortschritt in der Gesamtheit für alle. Leider sind die Menschen noch nicht so weit und das ist traurig……

    Kommentar von Ichlebe | November 20, 2009


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