L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Wo kommt Strom her?

Bin ich der Einzige, der sich bei diesem Programm irgendwie an den alten Witz erinnert fühlt, dass, wer wissen wolle, wo der elektrische Strom herkommt, einfach an die nächste Steckdose gehen solle?

Passend:

März 7, 2009 - Posted by | Neues aus Luxemburg, Video | ,

6 Kommentare »

  1. Aha. Lustig, was der Westernheld, der in meiner Kinderzeit die Rolle W.s als Weltoberbösewicht Nummer 1 einnahm, dem amerikanischen Volk so an „Erklärungen“ für den Sozialismus geliefert hat. Der Sozialismus sei also rein „materiell“ orientiert, ohne „spirituelle“ Dimension usw. Das mag zwar von der marxistisch-leninistischen Parteirhetorik auch so gesehen werden; tatsächlich ist es aber doch durchaus so,dass der Sozialismus ohne „spirituelle Ebene“, ohne mobilisierende Mythen, ohne Eschatologie und Apokalyptik gar nicht existieren kann. Umgekehrt sieht doch die heutige Linke doch eher gerade den „Neoliberalismus“ als rein materiell orientiert an usw.

    Es sei übrigens daran erinnert, dass unter Reagan die Staatsausgaben der USA massiv anstiegen, dies trotz aller „libertärer“ Rhetorik des Präsidenten. Vom Einsatz der Reagan-Administration für die „Freiheit“ im Rest der Welt ganz zu schweigen. Hierzu z.B.
    http://mises.org/article.aspx?Id=1544
    http://www.lewrockwell.com/gregory/gregory12.html
    http://flag.blackened.net/revolt/anarchism/writers/anarcho/history/ronaldreagan.html

    Kommentar von nestor76 | März 7, 2009

  2. Wir müssen von mindestens zwei Bedeutungen des Begriffes „materialistisch“ ausgehen, erstens als Gegensatz zum Idealismus (insbesondere des deutschen Idealismus), zweitens als simple Bezeichnung eines „Materie-liebenden“, also jemand, der an Gewinn und Besitz interessiert ist. Beide Begriffe haben also wenig miteinander gemein. Erstere Deutung kann sogar noch aufgesplittet werden in die marx’sche und analytische Richtung (Singer, Skinner, etc.). Dass der Sozialismus eine materialistische Religion darstellt (also Religion ohne transzendente Gottheit(en), aber mit Heilsverkündung, Sünde und Buße, u.s.w.) ist keine Überraschung.

    Die Staatsausgaben unter Reagan stiegen hautsächlich wegen der Militärkosten. Dieser Abschreckungsknall gegen die Sowjetunion hatte nie gekannte Ausmaße und trieb diese, aufgrund der Schreckensgleichgewichtsbemühungen, in den Ruin.
    Mit diesem strikten Antikommunismus sind auch sonstige der zu kritisierenden Aktionen Reagans zu erklären. Die islamische Revolution (auch antiwestlich ausgerichtet) im Nacken unterstützte er den Irak. Die Sandinisten in Nicaragua und der Verbündete Südafrika (so wie überhaupt Afrika Schauplatz vieler Stellvertreterkriege wurde) entdeckten sozialistische Strömungen. Der Staatsapparat der USA aber bereits wuchs seit den 60ger massiv an, auch wenn Reagan vollmundig so manches ankündigte, die Umsetzung ist schlussendlich immer so eine Sache (entgegen der langläufigen Meinung hat ein US-Präsident keine diktatorische Vollmacht). Dennoch wirkten die Maßnahmen die Reagan einführte, die Arbeitslosenzahl sank, die Schwäche eines Jimmy Carters wurde überwunden. Amerika machte sich nicht viele neue Freunde, aber wurde dafür wieder stärker und setzte einen Gegenpol zu den sozialistischen Bewegungen, welche seit den späten 60gern (auch in Europa) wieder Hochkonjunktur hatten.

    Natürlich ist z.B. seine proLife-Haltung zu kritisieren, Weitsicht war auch nicht unbedingt eine seiner Stärken, dennoch bleibt Reagan einer der Großen. Zu seiner Zeit waren viele seiner Entscheidungen richtig. Bush versuchte es vor 8 Jahren wieder, aber er unterschätzte total, dass sich die Zeiten geändert hatten.

    Kommentar von JayJay | März 8, 2009

  3. Ohne Reagans grandiose Rhetorik und die umgesetzten Reformen schlecht reden zu wollen, so muss ich Nestor doch recht geben, dass man Reagan und überhaupt die Neocons in vielen Punkten aus liberaler Sicht kritisieren muss, alles Andere wäre vulgär-liberal und ideologisch unrein😉

    Beispiele: die strikte Gegnerschaft zur Abtreibung, der „War on Drugs“, das Verbot von Sexarbeit, die höheren Konsumsteuern, die Vermischung von Kapitalismus mit christlicher Religion oder eben auch die problematische Aussenpolitik. Auch heute sehe ich manche Zweckallianzen mit Saudi-Arabien, Pakistan usw. sehr kritisch, wenngleich ich den realpolitischen Pragmatismus natürlich verstehen kann.

    Dennoch will ich Reagan und auch das britische Pendant Thatcher nicht klein reden.

    Kommentar von CK | März 8, 2009

  4. Ja, die Grossen der Weltgeschichte, was würden wir ohne sie nur tun?
    JayJay, ist dir eigentlich klar, dass du mit Reagan im wesentlichen den Staatsinterventionismus verteidigst? Dir zufolge scheinen es ja in erster Linie Politiker zu sein, die Arbeitsplätze schaffen.
    Auch die populäre These, das Wettrüsten sei am Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus halte ich für eher fragwürdig – ich gehe doch davon aus, dass die mangelnde Zukunftsfähigkeit der Planwirtschaft (auch auf Grund immer stärkerer Verschuldung gegenüber dem westlichen Ausland), die zunehmende Einsicht des „reformorientierten“ Teils der KP-Oligarchie, der seine Schäfchen ins Trockene bringen wollte, in Verknüpfung mit dem Streben nach Freiheit und Wohlstand breiter Teile der osteuropäischen Bevölkerung, hierzu einen grösseren Beitrag geleistet haben. Das greifbare Ergebnis des Wettrüstens scheint mir eher darin zu liegen, dass Putins Russland heute zweimal so viele Atomwaffen hat als der Rest der Welt zusammen, und der US-Haushalt seit Reagan fast ständig (lediglich am Ende der Ära Clinton konnte man zeitweilig aus dieser Logik aussteigen) immer astronomischere Defizite vorweist.

    Aber dass der Zweck die Mittel heiligt, wusste noch jeder Etatist, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Hauptsache, die „Schwäche“ Jimmy Carters wurde überwunden.

    Wieso aber das Erhöhen des Spitzensteuersatzes bei gleichzeitiger Einführung von Begünstigungen für die Geringverdienenden (d.h. staatlich gelenkte Umverteilung von oben nach unten) einerseits „sozialistische Planwirtschaft“ sein soll, Reagans Politik andererseits, die Steuern für die höchsten Steuerklassen zu senken, während sie für die grosse Masse der Bevölkerung (Mittelstand, Arbeiter und Angestellte) steigen (d.h. staatlich gelenkte Umverteilung von unten nach oben),“freie Marktwirtschaft“ sein soll, will mir nicht in den Kopf.
    Vielleicht liegt es daran, dass ich Reagans „grandiose Rhetorik“, wie oben dargeboten, für strunzdoof halte; insbesondere das 2. Gleichnis, das offenbar davon ausgeht, es ginge den Marxisten in erster Linie darum den Ertrag der arbeitenden Bevölkerung an Arbeitsverweigerer zu verteilen. Das ist doch völliger Unsinn. Schon mal was von der Agitation gegen das „arbeitslose Einkommen“ gehört? Hat nicht Stalin in die sowjetische Verfassung schreiben lassen, „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“? Heisst es in der Internationale nicht „La terre appartient aux seuls hommes, l’oisif ira loger ailleurs“?

    Ehrlich gesagt, könnte ich mir gut eine kommunistische Variante der gleichen Fabel vorstellen, nur dass hier der Ertrag des fleissig arbeitenden Tiers an die faulenzenden Aktionäre verteilt würde…

    Kommentar von Nestor | März 9, 2009

  5. @Nestor: Die faulenzenden Aktionäre schaffen aber immerhin die Produktionsmittel an, helfen also somit beim Brotbacken.

    Ansonsten jedoch: Touché !😉

    Kommentar von CK | März 9, 2009

  6. – Nein, ich verteidige nicht den Staatsinterventionalismus per se, sondern Reagan.
    – Nein, dass Politiker Arbeitsplätze schaffen ist Unfug, das Gegenteil ist der Fall. Und von diesen Fallstricken hat Reagan einige weggenommen.
    – Nicht die alleinige Ursache, stimmt. Aber ohne diese Ausgaben hätte sich die kommunistische Welt noch viele Jahre behaupten können. Und ausweiten. Oder gar von neuem beginnen, mit Goodboy Chavez als Beginn bis hin zu einem neuen Stalin.
    – Ja. Carter wurde auf der Nase herumgetanzt. In internationalen Konflikten mit totalitären Regierungen und Dikaturen ist das nicht sehr nützlich.
    – Niemand muss zu allem zustimmen (niemand sollte irgendwas müssen), und so kann man zumindest systemimmanent über die Steuerrechtsveränderungen streiten. Vielleicht das Alzheimer, vielleicht die Überzeugung, dass Investitionen und Innovationen ansteigen. Ich denke aber nicht, dass es mit dem Banner „Umverteilung von a nach b“ getan ist, solche Interpretationen sind zweifelhaft, weil sie ihrerseits bereits grobe Vereinfachungen darstellen und bei der Zielgruppe natürlich wunderbar ankommen.
    – Ich will nicht der Steilvorlage folgen, dass ich jetzt sage: „Soso, Du verteidigst die Kommunisten? Sogar Stalin höchstselbst?“. Auch wenn mit dieser Denke mir gerade so Manches vorgeworfen wurde.
    – Oben wurden kleine Geschichten dargeboten, kleine Fabeln. Klar können sie auf manche humorlose Gesellen albern wirken. So wie La Fontaine.
    – Soll doch jemand die kommunistische Variante erzählen, ist bestimmt auch ganz witzig. Ich würde sie mir sogar anhören. Gibt es sicherlich schon. So wie Lafontaine.

    Es geht um Prioritäten, nicht um blinden Utilitarismus. Ein Reagan mag vielleicht schlechter sein als kein Reagan, aber er ist besser als vieles sonst, was wir im Laufe der Geschichte erlebten. Wo waren und sind die real-politischen Alternativen abseits vom theoretischen Gehabe? Das geht doch alles meilenweit am eigentlichen Problem vorbei.

    Kommentar von JayJay | März 9, 2009


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