L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Polygamie/Polyamorie eine Straftat ?

Die Tage wurde ich auf folgendes Video mit dem Islamkritiker Ulfkotte, dem deutschen Juden Michel Friedman und dem mittlerweile zu einer reformistischen, islamischen Konfession konvertierten Alt-68er Hübsch, seines Zeichen nun Imam, aufmerksam.

Anhand dieses Beispiels will ich auf eine für mich wichtige Unterscheidung im Kampf gegen den Islamismus aufmerksam machen: der Kampf gegen eklatante Menschenrechtsverletzungen darf nicht mit einem Kampf gegen alternative Lebensstile verwechselt werden. Zu oft unterscheiden gerade Konservative dies nicht voneinander, weil sie bereits in alternativen Lebensweisen oft eine Bedrohung für ihre Vorstellung einer heilen Gesellschaft sehen.

Eine multikulturelle Gesellschaft ist aber an sich an sich etwas Tolles. Vielfalt in der Gastronomie, in der Literatur, in Mode und Kleidung, in Musik, Film und Fernsehen, in Architektur, Wissenschaft und Technik usw. Jedoch dürfen unter dem Deckmantel von Multi-Kulti keine furchtbar unzivilisierten Barbareien („Ehrenmorde“, Zwangsverheiratungen, Kindesmissbrauch, Genitalverstümmelungen, Folter, religiöser Terror udgl.) geduldet werden. Eine gesunde, multikulturelle Gesellschaft kann eben nur funktionieren, solange es gemeinsame, universale Werte gibt, die ein friedliches, zivilisiertes Zusammenleben in gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Respekt überhaupt erst ermöglichen. Die individuellen Rechte jedes einzelnen Bürgers müssen gewahrt bleiben, jede Zuwiderhandlung eine staatliche Sanktion nach sich ziehen.

Was mir nun in dem obigen Video bitter aufstösst, ist dieses Herumhacken auf dem Thema Polygamie. Polygamie, sofern erwachsene Menschen sich einvernehmlich und freiwillig für ein solches Zusammenleben entscheiden (auch wenn diese Lebensweise tatsächlich recht aussergewöhnlich für das jüdisch-christliche Abendland ist), stellt keine Rechtsverletzung dar im Gegensatz zu den oben aufgezählten Widerlichkeiten und ist daher von denselben zu trennen.

Natürlich ist Polygamie, also die Vielehe, in Europa verboten, aber das war Homosexualität auch noch vor nicht allzulanger Zeit und Sadomasochismus bewegt sich teilweise immer noch in einer Grauzone. Verbote müssen also noch lange nicht immer rechtens sein. Friedman argumentiert in diesem Video klar rechtspositivistisch und daher überhaupt nicht überzeugend. Richtig wäre hingegen ein klares Bekenntnis zur Toleranz aller Lebensformen und zur sexuellen Freiheit des Einzelnen.

Was ist überhaupt so schlimm an Polygamie? Ist diese Lebensweise nicht sogar ehrlicher als fremdzugehen, was ja enorm viele Menschen heute tun? Was ist daran so furchtbar anders als wenn überzeugte Swinger ihren Lieblingsclub aufsuchen?

Hübsch hat m.E. vollkommen recht damit, dass Polygamie (übrigens dann selbstverständlich natürlich auch für Frauen, die mehrere Männer haben dürfen !) erlaubt werden sollte und der Staat kein Lebensmodell vorschreiben sollte. Herrlich libertär argumentiert. Der Imam punktet in diesem speziellen Fall klar gegen Friedman. [ Und da soll doch nochmal jemand sagen, ich würde dauernd islamophobe Sprüche von mir geben 😉 ] Besonders brisant ist hier zudem die Tatsache, dass „Koksnase“ Friedman sich ja vor einiger Zeit auch nicht bloß mit seiner Bärbel Schäfer zufrieden gab und sich mit ein paar Ukrainerinnen amüsierte. Was an solch profaner Promiskuität wohl besser sein soll als an „freier Liebe“?

Ich verstehe, respektiere und achte übrigens durchaus, dass für überzeugte Christen und sicher auch viele andere Menschen nur die Monogamie in Frage kommt, nur haben sie kein Recht ihr präferiertes Lebensmodell Anderen aufzuzwingen. Auch stimmt es, dass die Ehe ein kirchliches Sakrament ist, bei dem ein Lebensbund explizit zwischen einem Mann und einer Frau geschmiedet wird und als solches gehört die Ehe ins Kirchenrecht. Der Staat hätte sich dieses Sakrament nie unter den Nagel reißen dürfen und er sollte es bei einer etwaigen, kompletten Trennung zwischen Kirche und Staat auch irgendwann wieder abgeben.

Im Gegenzug sollten die verschiedensten Formen menschlichen Zusammenlebens erlaubt werden, entsprechende Zivilverträge würden auf dem Markt ganz von selbst entworfen werden. Was die Krankenkassen angeht, wäre eine komplette Privatisierung ohnehin das Beste und dann könnten diese selber entscheiden wieviele Ehefrauen sie denn nun noch mitversichern wollen und wieviele nicht, der Staat fährt seine Sozialsysteme ja ohnehin derzeit brutal gegen die Wand und dies sicher nicht nur wegen den paar Privilegien für Moslems …

Polyamouröse Beziehungen müssen übrigens keineswegs an Eifersucht scheitern. Dies zeigen u.a. Pick-Up-Artists wie L. Satana klar auf. Aber es gilt wie überall: man/frau hat die Qual die Wahl (jedenfalls solange der Staat es erlaubt) und ich will sicher keinem Leser irgendein Modell anraten, zumal ich selber dem traditionellen Modell immer noch sehr viel abgewinnen kann, ich es aber eben dennoch mit James Bond halte: Sag niemals nie ! Auch zur Polygamie also nicht.

Grüne Jugend: Monogamie die Lösung ?
Ach ja, in den USA gibt es übrigens Mormonen, die Polygamie pflegen 😉

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März 3, 2009 - Posted by | Offene Gesellschaft, Pluralismus | ,

4 Kommentare »

  1. sehr gut. Diese Haltung basiert auf dem liberalen Prinzip der Kontraktfreiheit. Leider sind solche Prinzipien zwar in unserer Verfassung eingeschrieben und somit „garantiert“, dürfen jedoch von „einfachen“ Gesetzen eingeschränkt werden. Am Ende bleibt dann noch die leere Schale, die Illusion der Freiheit……

    Kommentar von cah51 | März 3, 2009

  2. „In a capitalist society, all human relationships are voluntary. Men are free to cooperate or not, to deal with one another or not, as their own individual judgments, convictions and interests dictate.
    (…)
    The right to agree is not a problem in any society: it is the right to disagree that is crucial. It is the institution of private property that protects and implements the right to disagree.“ Ayn Rand – Capitalism: the unknown ideal

    Kommentar von JayJay | März 4, 2009

  3. Ich denke ja, man muss zwei Fragen voneinander trennen:
    1.) Sollte der Staat die romantische monogame Beziehung fördern oder verbindlich vorschreiben?
    2.) Ist es wünschenswert, dass die Polygamie zur gesellschaftlichen Norm wird?

    Bezüglich Frage (1) ist die Antwort aus orthodoxer liberaler Sicht ziemlich klar. Dennoch gilt, für Deutschland, das Gegenteil. Der Schutz der Ehe ist explizit in der Verfassung vorgeschrieben, sogar ohne „näheres regelt ein Bundesgesetz“. Die Ehe wurde damals ganz klar als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau verstanden.

    Bezüglich Frage (2) sieht die Welt schon anders aus. Es ist eine individuelle Abwägung. Meiner persönlichen Meinung nach ist die romantische Zweierbeziehung erhaltenswert. Für viele linke Feministen ist das Böse schlechthin, dass die Frauen unterdrückt.
    Polygamie scheint mir aber davon abgesehen eine schlechte Lebensart zu sein und zwar aus zwei Gründen:
    a.) Ein Mann, der gleich einen ganzen Harem voll Frauen hat, kann jeder einzelnen unmöglich die Aufmerksamkeit und Liebe schenken, die ein romantischer Liebhaber, der nur eine Frau hat, kann.
    Im Gegenteil, es entsteht ein Wettkampf zwischen den Frauen um die Gunst des Mannes. Das ist für den Mann vielleicht sehr bequem, aber für die Frauen eine letzlich suboptimale Lebensweise.
    b.) Wenn einzelne Männer viele Frauen haben, ist der heiratsmarkt für die weniger reichen, gutaussehenden usw. Männer irgendwann leer. Das bedeutet, man erzeugt eine große Gruppe von Männern, die unfreiwillig allein leben müssen. Mit allen negativen Konsequenzen!

    Übrigens: auch in polygamen Gesellschaften wie dem osmanischen Reich oder dem heutigen Saudi-Arabien ist es eigentlich höchst selten, dass ein Mann tatsächlich mehrere Frauen hat!

    P.S.: Man muss unterscheiden zwischen Polyamorie und Polygamie. Polyamorie ist die Auflösung der Zweierbeziehung für offene Lebensformen mit freier Liebe usw.usf. Polygamie ist normales Eheleben mit einem Mann mit mehreren Frauen.
    Das ist etwas komplett anderes und muss daher anders beurteilt werden. Die Frage ist nur, ob Polyamorie mit der menschlichen Natur vereinbar ist.

    Kommentar von Noname | September 8, 2016

  4. @Noname: Einverstanden mit den Ausführungen zur Polygamie.

    „Die Frage ist nur, ob Polyamorie mit der menschlichen Natur vereinbar ist.“

    -> Die Frage ist vielmehr ob Monogamie (vor allem wenn diese lebenslange sexuelle Monogamie bedeutet) mit der menschlichen Natur vereinbar ist. Meiner Meinung nach nicht wirklich. Daher sind wir ja heute längst bei „serieller Monogamie“ gelandet mit hohen Scheidungsraten, mehrfach Verheirateten, vielen Lebensabschnittspartnern usw.

    Mir wäre persönlich eine Art „Beziehungsmonogamie“ mit sexueller Offenheit nach aussen (bspw. gemeinsamen Clubbesuchen) wohl noch am liebsten. Quasi das Modell Oberyn Martell-Ellaria Sand 😉

    Auch interessant zu diesem Thema:
    http://www.belleslettres.eu/artikel/homo-sapiens-monogamie-promiskuitat.php

    Kommentar von CK | September 10, 2016


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