L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Die Wirtschaftskrise und die Rolle des Staates

„A government big enough to give you everything you want is a government big enough to take from you everything you have.“ Gerald Ford

„D‘ Kris ass elo voll zu Lëtzebuerg ukomm“ sagte Premierminister Juncker Ende letzter Woche. Er prophezeite ebenfalls, dass der Höhepunkt der Krise erst in einem halben Jahr erreicht sei (ein Schelm, wer bei solchen Aussagen an die Wahlen in nicht einmal vier Monaten denkt). Doch während einige Politgrößen bereits von den Folgen sprechen (und damit das eigene Handeln in Frage stellen), bleiben, was den Ursprung der Wirtschaftskrise betrifft, weiterhin Fragen offen: Wie konnte es soweit kommen? Wo war der Punkt, der den Stein ins Rollen brachte? Vom Stammtisch bis zum Feuilleton sind die Schuldigen schnell gefunden: gierige Banker, maßlose Manager, Neoliberalismus und das böse kapitalistische System insgesamt, ebenso Teufel George W. Bush und überhaupt alle konsumgeilen US-Amerikaner.

Was daran stimmt ist, dass mehrere Faktoren zusammen kommen, aber einen Namen haben dabei nur wenige der stellenweise namhaften Besitzer feist gestreckter Zeigefinger auf der Kante: Bill Clinton. Bereits im Oktober 1999 schrieb die New York Times:

„Fannie Mae, the nation’s biggest underwriter of home mortgages, has been under increasing pressure from the Clinton Administration to expand mortgage loans among low and moderate income people and felt pressure from stock holders to maintain its phenomenal growth in profits.“

Im Klartext heißt das, dass von der Clinton-Administration Druck auf die Banken (nicht nur Fannie Mae) kam, um auch jenen Menschen Krediten zu geben, welche normalerweise von ihren Kreditinstituten wegen fehlender Sicherheit abgelehnt werden würden. So sollte die Anzahl der Eigentümer erhöht werden (streng genommen eine soziale Maßnahme). Und genau dort begannen die faulen Kredite, welche jetzt die Finanzwelt erbeben lassen. Mit dem Druck des Staates im Rücken gaben die Banken nach, denn es würde unter Normalumständen keiner Bank im Traum einfallen solche unsicheren Kredite auszuzahlen. Genauso, wie kein Bäcker sein Brot abgibt, wenn er weiß, dass er von dem besagten Kunden niemals das Geld dafür sehen wird. Und nun stellen Sie sich vor, dass ein Staat den Bäcker zwingt, auch diesen Leuten Brot zu geben. Was dies für das Geschäft des Bäckers bedeutet, dürfte jedem klar sein. Ich gebe zu, der Vergleich hinkt, die faulen Kredite wurden von den Banken gebündelt und mit Gewinn weiter verkauft, die mit den geplatzten Krediten gekauften Häuser gingen späterhin an die Bank, die sie aber nicht weiter verkaufen konnten, das Überangebot der Immobilien führte zu einem Fall der Immobilienpreise, die ausgezahlten Kredite kamen nicht mehr rein, etc. Kurz, die Blase schrumpfte. Durch die so entstandene Kettenreaktion kamen viele Banken in Schwierigkeiten, Kredite wurden nur noch unwillig rausgerückt, Investitionen wurden wegen niedriger Zinsen unattraktiv, das Vertrauen in und von den Banken wurde erschwert. Dazu kommt die Niedrigzins-Politik der FED, welche zwar den Banken billiges Geld garantierte, aber gleichzeitig uninteressant für Investoren wurde, die sich folglich lieber den großen Gewinnen zuwandten, sprich den neuen staatlich geschaffenen Möglichkeiten.

Durch das staatliche Eingreifen wurde der Markt stark verfälscht. Diese marktökonomische Unvernunft eröffnete einigen Menschen die Möglichkeit daraus Profit zu schlagen, was diese auch naturgemäß taten. Dem ist strukturell kein Vorwurf zu machen, das ist nur menschlich, die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen. Wer ginge nicht zu dem Bäcker, der vom Staat gezwungen wurde, sein Brot für zwei Cent zu verkaufen? Die Folgen sind bekannt.

Die Ironie bei der Sache: Die Krise wurde durch das staatliche Eingreifen in Gang gebracht und nun ist es derselbe Staat, der sich als selbsternannter Retter ebendieser Krise einschaltet. Welche unvorhergesehenen Nebenwirkungen es nun geben wird, können wir noch nicht sicher feststellen. Es bleibt aber anzunehmen, dass auch diesmal einige Nebeneffekte erscheinen werden, eben gerade weil sich ein so komplexes Gebilde wie die Wirtschaft nicht kontrollieren lässt. Durch diese Unkontrollierbarkeit und dem gleichzeitigen Handeln von Millionen von Akteuren, wird es natürlich immer Schwankungen geben. Aber gleichzeitig wird das System flexibel und schnell reagieren können. Wenn nun der Staat Grenzen setzt, wird die Wirtschaft schwerfällig und langsam, Krisen werden notwendigerweise kommen, sie werden viel langsamer verschwinden oder sogar, wenn wir Pech haben, komplett in ihren Grenzen zerbrechen und in Bürokratie vollständig ersticken.

Selbst wenn man damit heutzutage schön provozieren kann, zeigen die momentanen Geschehnisse eines: Kapitalismus ist rational, Willkür wird bestraft und ist uneffektiv. Durch staatliche Regulationen wird die Rationalität des Marktes gestört, ja regelrecht ad absurdum geführt. So ist es nur folgerichtig, dass die richtig großen Krisen noch kommen werden, wenn der momentane Weg des staatlichen Erstarkens weiter begangen wird. Die aktuellen Konjunkturprogramme werden Folgen haben und am augenscheinlichsten scheint im Moment die Gefahr einer Inflation und der Neuverschuldung, an welcher wir noch viele Jahre zu knabbern haben werden, von China als Hauptgläubiger erst gar nicht zu reden.
Weiterhin geben die neuen Reglungen dem Staat eine Macht, die ihm nicht zusteht. Woher kommt die Gewissheit, dass der Staat die Wirtschaft besser handhaben kann? Woher hat der Staat überhaupt das Recht dort einzugreifen, wo es ihm gerade passt? Die Geschichte zeigt, dass überall, wo der Staat die Wirtschaft zu kontrollieren versuchte, selbige zum Untergang verurteilt war. Wir brauchen nicht noch mehr Staat, sondern weniger. Die letzten Jahre haben ja bereits gezeigt, dass beispielsweise das ganze Subventionssystem kontraproduktiv ist. Die Reglungen des Staates verzerren die wirtschaftliche Ordnung, kapitalistische Rationalität wird untergraben und lässt Raum für eine Unvernunft, unter welcher kein sinnvolles Gebilde, sei es ein Staats- oder Wirtschaftsgebilde, entstehen und vor allem bestehen kann. Dies gilt mehr denn je in einer globalisierten Welt.

Der schwarze Peter ist nicht einem Akteur alleine zuzuschreiben, aber eine Mischung aus Clinton-Administration, spätem Alan Greenspan, unverantwortlichen Kreditnehmern, ebenso unverantwortlichen Kreditgebern und Spekulanten kann sich diesen Titel an die Brust heften. Erstere, weil sie zuviel regulierten, Letztere, weil sie exzessiv von den entstehenden Löchern profitierten. Doch sollen wir vor allem im Hinterkopf behalten: wenn der Staat den Tunnel nicht geöffnet hätte, wäre niemand diesen Weg gegangen. Wie beim erzwungenen 2-Cent-Brot unseres Bäckers, sein drohender Bankrott wäre in erster Linie die Schuld des Staates.

Wer irrtümlich Gift geschluckt hat, nimmt gewiss nicht noch einen Löffel voll um sich davon zu befreien. Wer in Gülle badet, schmeißt sich nicht nochmals in die Grube um wieder sauber zu werden. Aber es scheint kein Problem zu sein, den Verursachern einer Krise auch die Lösung bedingungslos anzuvertrauen.

weitere Links:

C. Hemmer zum Thema
US-Karikatur
Bill Clinton and the financial crisis
Financial crisis – President Clintons actions…
The Myth that laissez-faire is responsible

Februar 23, 2009 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Libertarismus, Minarchismus, Wirtschaft

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