L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Israel- und USA-„Kritik“

Die Februar-Ausgabe der Tageblatt-Beilage Kulturissimo (als pdf gratis downloadbar) bedient auch Wochen nach dem letzten Krieg im Gaza die üblichen Klischees.

Ein fast schon wundervolles Eigentor schießt J. Strötgen auf Seite 15:

„Medien geben ihren Konsumenten nur wohl dosierte Informationen, mit Wahrheit auf niedrigem Niveau und Schwerpunktsetzungen, die jegliche Objektivität unmöglich machen. Jüngstes Beispiel sind die stundenlangen Berichte über den Fall einer Qassam-Rakete auf ein Haus in Ashkelon, bei dem drei Bewohner einen Schock erlitten, aber nur wenige Worte zu den 40 Frauen und Kindern, die am selben Tag beim Beschuss der UN-Schule im Gazastreifen getötet wurden.“

Der Journalist und Israel-Kenner U.W. Sahm schreibt dazu auf hagalil.com:

„Inzwischen stellt sich heraus, dass die Schule gar nicht getroffen wurde.“

Tja, auf welcher Seite finden sich denn nun die „wohldosierten Informationen, Wahrheiten auf niedrigem Niveau“? Oder wird alles geglaubt was gegen Israel geht? Anscheinend!

In dieselbe Kerbe schlägt die Autorin kurz danach:

„Das massive Bombardement des israelischen Militärs im Gazastreifen hingegen – das rücksichtslose Töten der Zivilbevölkerung, der Beschuss von Ministerien, Universitätsgebäuden und Schulen – bewirkte das Gegenteil.“

Man kann insofern zustimmen, dass der ganze Gaza-Konflikt inzwischen propagandistisch und gewohnt undifferenziert z.B. vom Iran ausgenutzt wird. Doch bedenken wir, dass der Gaza-Streifen sehr dicht besiedelt ist. Mit dem Hintergrund ist die Anzahl der Toten, nämlich rund 1500 (die für sich genommen traurig hohe Zahl soll nicht verschwiegen werden), recht gering. Von einem „rücksichtlosen Töten der Zivilbevölkerung“ kann nicht die Rede sein. Hätte Israel wirklich so rücksichtslos gehandelt, wie die Vorgänge von einem großen Teil der Presse beschrieben werden, wäre ein Vielfaches an Toten zu beklagen. Was würden die Damen und Herrn Journalisten, welche die vergangenen Wochen mit Worten wie „Massaker“ und „Holocaust“ nicht geizten, dann sagen? Hier ist jede Verhältnismäßigkeit verloren.
Natürlich darf man Israel kritisieren, aber wenn es auf diese Weise geschieht, hat man die Israelkritik längst verlassen und steht mindestens mit einem Fuß auf ganz anderem Boden.

Und wer die „Kulturissimo“ ab Seite 3 aufschlägt, kriegt von G. Wagner noch einen Anti-USA-Bonus:

„Es hat sich denn auch inzwischen erwiesen, dass die Bush-Leute nicht um einen Deut „besser“, d. h. menschlicher waren als der zum Tode verurteilte und unter scheußlichen Bedingungen gehängte irakische Diktator.“

Man muss Bush nicht mögen um zuzugeben, dass er niemals auf willkürlichen Befehl hin Leute erschießen ließ, politische Gegner mittels Mord aus dem Weg räumte oder Giftgas gegen Minderheiten einsetzte. Woher diese Gleichsetzung der US-Regierung mit einem grausamen Diktator kommt, kann man nur erraten. Und wer dies alles „erwiesen“ haben will ist auch nicht gewusst.

„Bereits an seinem zweiten Tag im Amt verfügte der neue US-Präsident Barack Obama die Schließung von Guantánamo innerhalb eines Jahres und die Einstellung aller laufenden Verfahren vor Militärtribunalen gegen Häftlinge dieses KZs.“

Auch hier: Man muss Guantanamo nicht auch nur ansatzweise in Ordnung finden, um den Unsinn in diesen Zeilen zu sehen. Hier wird Guantanamo nicht nur mit einem KZ verglichen, sondern regelrecht gleichgesetzt. Was eine solche Gleichsetzung im Klartext bedeutet dürfte jedem klar sein. Wenn man das Gesagte mal weiter denkt, ist dies eine ungeheuerliche Relativierung der NS-Verbrechen.
Im Anbetracht solcher Sätze, ist man tatsächlich fast genötigt Bush zu verteidigen, auch wenn man den ehemaligen US-Präsidenten eigentlich niemals nicht und unter keinen Umständen verteidigen wollte.

Und dies sind beileibe nicht die einzigen Verfehlungen dieser „Kulturissimo“-Ausgabe, sondern nur vier Spitzen eines Eisbergs, dessen Masse prall mit Vorurteilen und Ressentiments gefüllt ist. Von einer der beiden großen luxemburgischen Tageszeitungen erwartet man eigentlich mehr Objektivität und weniger Propaganda, diese bietet das Kommunistenblatt bereits mehr als genug. Andererseits, was soll man sonst erwarten? Bereits in der „Tageblatt“-Ausgabe des 30. Dezembers wurde, regelrecht ekelhaft, in der kleinen Tagline über der Überschrift, getitelt „Israels Regierung im Endsieg-Delirium“ und damit indirekt, wissentlich oder unwissentlich sei mal dahingestellt, eine Verbindung zwischen Israel und der Kriegspolitik der Nazis vollzogen. Auch hier ist jeder Anspruch einer Israel-“kritik“ an der Verhältnisschieflage gescheitert.

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Februar 21, 2009 - Posted by | Antisemitismus, Aussenpolitik, Israel, Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft, USA

4 Kommentare »

  1. MERCI Jay-Jay, besser kann een deen dreckegen Wouscht do net auserneen huelen !!! 🙂

    Die Luxemburger Sozis sind wirklich schon fast auf dem gleichen, billigen, israelhassenden Niveau wie die Kommies.

    Kommentar von CK | Februar 21, 2009

  2. Wou ee jo wierklech nemmen de Kapp reselen kann, ass déi Ausso dass jhust iwwert d’Rakéiten op Ashkelon bericht gi wiir an nët iwwert d’Bombardéierungen am Gaza. Genau wéi ee bei villen Antizionisten déi éiweg Lamentéierung fënnt, déi westlech Medien géifen jhust den israeleschen Blëckwenkel anhuelen. Also ech weess jo nët wéi eng Medien déi konsuméieren, mee daat ass dach manifestement Quatsch. D’grouss Majoritéit vun de Medien sin dach offensichtlech éischter kritesch par rapport zur israelescher Politik. Do muss ee wierklech schons zimlech obsedéiert sinn fir de Géigendeel unzehuelen.
    An deenen hirer Optik ass waarscheinlech schons jidfereen, deen zwar vlaicht d’Gaza-Operatioun net gudd geheescht huet, mee awer Vergléicher mat Nazidaitschland, wéi se mëttlerweil unisono vun Lenken, der kathoulescher Kirch, Muslimen an och der NPD firgeluet ginn, fir geschichtsverfälschend oder schlicht an einfach fir blöd hellt, schons een „Ultrazionist“ an ee „Krichsdreiwer“.

    Kommentar von nestor76 | Februar 22, 2009

  3. Und ich hatte gehofft, Frau Strötgen würde nicht mehr fürs Tageblatt schreiben… na ja, da kann man wohl nicht sehr viel tun, ausser den Kopf schütteln.

    Kommentar von Joël | Februar 22, 2009

  4. Diese ganze Dopplemoral und Heuchelei der Antisem..äh Israelkritker ist hier sehr schön auf den Punkt gebracht.

    Kommentar von La Libertine | Februar 22, 2009


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