L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Lex Roth und sein Haß auf die Deutschen

Folgender RTL-Leserbrief des Gründers der Actioun Lëtzebuergesch fand sich die Tage auch im „Fonction Publique“, dem Sprachorgan der CGFP.

Sicherlich ist Lex Roth ein Mann, der sich um die Luxemburger Sprache mehr als verdient gemacht hat und dem deshalb Respekt gebührt. Eine Minderheitensprache, die als Teil unserer nationalen Identität auch meiner Meinung nach mal wieder mehr in unserer Schule gefördert und auch gefordert werden sollte.

Ich kann mir auch vorstellen, dass Roths Kindheit während der NS-Okkupation und des zweiten Weltkrieges nicht gerade leicht war und es viele Gründe zum Ärger, zur Wut und zum Hass auf die Deutschen damals gab. Aber dies alles rechtfertigt doch wohl nicht einen solchen Leserbrief im Jahre 2009.

Worüber beschwert sich Roth eigentlich nun genau? Sehen wir uns seine Argumente mal an:

1. Wieso braucht es eine germanistische Fakultät an der Uni Luxemburg, wo es doch zig solcher Institutionen bereits auf der anderen Seite der Mosel gibt?

Gegenfrage: Wieso sollten wir keine haben? Vielleicht will ja auch jemand in unserem schönen Land Germanistik studieren? Ist es nicht der Sinn einer eigenen Uni möglichst viele Fächer anzubieten? Und Germanistik ist nun wirklich, auch bei LuxemburgerInnen, recht gefragt.

2. Luxemburgistik ist ein Teilbereich dieser Fakultät, was ungeheuerlich ist.

Nun, ob es Herrn Roth passt oder nicht, aber luxemburgisch ist nunmal ursprünglich ein moselfränkischer, also germanischer Dialekt und kann nicht losgelöst vom Deutschen, nein MUSS wohl sogar im Rahmen einer generellen Analyse westmitteldeutscher Mundarten linguistisch und historisch untersucht werden.

3. Nur deutsche Wissenschaftler schwingen den Dirigentenstab.

Ich bin kein Sprecher der Uni Luxemburg und kenne mich auch gar nicht dort aus. Vielleicht hätte man ja wirklich mehr „Einheimische“ rektrutieren können. Aber nur deswegen so ausflippen, cui bono?

4. So einige deutsche Professoren und angeblich auch der Botschafter freuen sich in unerlaubtem Maße völlig arrogant darüber, dass Deutsch in Luxemburg so ne große Rolle spielt und müssen deshalb von ihm zurechtgewiesen werden.

Quellen? Und inwiefern ist dies nun verwerflich? Ich freue mich auch darüber, dass in Belgien Kinder und Jugendliche luxemburgisch lernen um ihre Chancen als Pendler auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt später zu verbessern, wohlwissend dass viele Luxemburger Konsumenten in Geschäften lieber ihre eigene Landessprache an der Kasse sprechen als französisch. Natürlich ist es auch praktisch und gut für Deutsche, dass in Luxemburg fast jeder deutsch sprechen kann.

5. Die böse GfdS organisiert im März mal wieder eine Studientagung über die luxemburgische Sprache.

Ui, ui. Statt sich zu freuen, dass es überhaupt solche durchaus ehrbaren und interessanten Veranstaltungen gibt, flippt Roth darüber aus, dass es Deutsche sind, die diese organisieren. Wenn überhaupt, müsste er kritisieren, dass anscheinend zu wenige Luxemburger sich selber um solche Vorträge kümmern. Wieso aber nicht ohnehin zusammen arbeiten statt einen Keil zwischen deutsche und luxemburgische Wissenschaftler zu treiben? Welches weltfremde, nationalistische Weltbild Roths steckt hier dahinter?

L for Liberty wendet sich gegen jede Form von Rassismus und Xenophobie. Ressentiments gegenüber anderen Nationen, auch gegenüber der deutschen, sind trotz historischer Verbrechen keineswegs berechtigt und klar illegitim.

Lex Roth offenbart eine geschmacklose Feindlichkeit gegenüber unseren deutschen Nachbarn und Freunden, die einfach nicht toleriert werden kann und darf. Auch aus Sicht eines echten Patrioten und Liebhabers der luxemburgischen Sprache nicht, als den sich der Autor dieser Kritik durchaus ebenfalls sieht.

Vor allem aber sind die Vergleiche Roths abscheulich. Eine seriöse Forschungsinstitution, die GfdS nämlich, wird mit einer Propagandainstitution der Nazis verglichen (cf.GEDELIT), der Zweig Luxemburg derselben mit der „Zelle Luxemburg“ (so nannte der Gauleiter das besetzte Luxemburg damals, welches Teil des dritten Reichs sei) und die Anstrengungen deutscher Wissenschaftler mit den Annexionszielen kranker Ideologen.

Ja, klar, nur weil eine deutsche Vereinigung an vorderster Front die luxemburgische Sprache untersucht, planen die Deutschen nun wieder still und heimlisch eine Annexion Luxemburgs (zumindest linguistisch), die neue braune Gefahr ist schon wieder zu riechen, wieso lassen die verdammten „Saupreisen“ uns auch nicht „bleiwen, wat mir sinn“?

Zur absoluten Realsatire wird der Brief im letzten Abschnitt. Dort verlangt Roth von patriotischen Organisationen, Opfern des Naziregimes und ehemaligen Kämpfern der Résistance sich auch endlich mal zur Wort zu melden statt nur Gedenkveranstaltungen abzuhalten, denn sonst könnte man doch die Existenzberechtigung solcher Organisationen anzweifeln.

Ohne Kommentar.

Welcher Irrsinn kann einen alten Mann und fünffachen Familienvater, von dem doch eigentlich Altersweisheit erwartet wird, nur dazu bewegen sowas zu schreiben?

Esou w.e.g. net, Här Roth !!!

Februar 20, 2009 - Posted by | Neues aus Luxemburg | , ,

8 Kommentare »

  1. Bei meiner Zeit in der Germanistik in Trier, belauschte ich zwei Studentinnen, welche sich darüber mokierten, dass die Uni Trier auch einen Teilbereich für das Luxemburgische hat, das sollten die Luxemburger gefälligst selbst anbieten und nicht von Deutschen bezahlen lassen. Ich denke nicht, dass sich Herr Roth absichtlich zu den besagten Mädels gesellen will. Doch irrt er genauso. Wenn wir der Logik folgen, sollte auch die Universität Trier aufhören in Sachen Luxemburgisch zu forschen, weil dies auf der anderen Seite der Mosel ja bereits geschehen solle. Nun hat Trier aber eine sehr gut funktionierende und auch fähige Altdeutsch-Abteilung. Und wenn, wie es im Altdeutschen der Fall ist, sämtliche Idiome der Region aus der Zeit vor der Entstehung der Nationen zum Forschungsgegenstand werden, ist damit das Luxemburgische ebenfalls inbegriffen.
    Was die luxemburger Dozenten angeht, so steht bereits in Trier mit Prof. Moulin eine sehr kompetente luxemburgische Wissenschaftlerin zur Verfügung, welche auch in der Universität Luxemburg involviert ist. Doch sollten wir solche nationsaffinen Spielereien vergessen, denn es geht nicht um die Nation, sondern um die Fähigkeiten. Und hier muss Herr Roth eine weitere Ohrfeige verkraften, denn Frau Filatkina, welche 2006 den mit einer Million Euro dotierten „Sofja Kovalevskaja-Preis“ der Humboldt-Uni (so was wie „Deutschland sucht den Super-Forscher“) gewonnen hat und auch über Luxemburgisch schreibt und forscht, ist, man höre und staune, Russin. In Geisteswissenschaften Nationalitäten den Vorrang zu geben ist Unsinn, besonders für ein so kleines Land wie Luxemburg. Hier geht es um Menschen mit Fähigkeiten, und die finden sich nun mal prozentual höher in Ländern mit großer Bevölkerung. Zumal Menschen mit anderssprachigem Hintergrund Feinheiten eher erkennen als Muttersprachler.
    Und so gesehen bietet die Forschung an landesfremden Universitäten nicht nur bessere Ergebnisse, auch bleibt das Luxemburgische in akademischen Kreisen erhalten, anstatt als provinzielle Kuriosität sich selbst zu pflegen.

    Kommentar von JayJay | Februar 20, 2009

  2. Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee. Nun hat Luxemburg zwar nur eine kleine Armee, aber dennoch bleibt der Fakt, dass Luxemburgisch wohl nur eine abwandelte moselfränkische Mundart ist, die per Gesetz zur Sprache erhoben wurde.
    Natürlich ist es wichtig, dass man sich um das Luxemburgische kümmert – aber sollten wir uns nicht freuen, dass auch „ausländische“ Wissenschaftler sich Gedanken über die Sprache machen.
    Ich habe, wahrscheinlich im Gegensatz zum Herrn Roth, einen Tagungsband zum Thema Luxemburgisitik, der von der Uni.lu herausgegeben wurde, gelesen und ihn für sehr interessant befunden – eben weil er auf die dreisprachige Situation eingeht, die es oftmals schwer macht, luxemburgische Literatur (welche ja auf drei Sprachen sein kann, oft sogar zwei oder mehr vermischt!) überhaupt irgendwie einzuordnen.
    Wer glaubt, das dritte Reich würde wieder auferstehen, weil Sprachwissenschaftler eine korrekte, aber einem selbst nicht genehme Einordnung vornehmen, der sollte lieber selbst mal schauen, wie braun seine Wäsche ist …

    Kommentar von Joël | Februar 22, 2009

  3. „Die Menschen haben Rechte und so einiges darf ihnen kein Mensch und keine Gruppe antun.“
    ech an denger platz, joel, giff den titel beherzigen an iwwerle’en mat wat vir engen satz dein artikel ophält.
    ziemleg schappech!!
    wanns de esou een blödsinn schreifst dann informe’er dech
    wenigstens iwer dei persoun bevirst de op deng tastatur
    klimperen gehst an mat farwen durecht d’gegend geheist.

    Kommentar von ozzi | März 8, 2009

  4. Soss näischt besseres ze din, wéi eng vun deenen eenzegen Persounen, déi sech iwwerhaat aktiv fir eis Sprooch asetzen, schlecht ze maachen? Ech hun dem Lex Roth schon selwer op enger Virliesung nogelauschtert an kann nemmen soen dass et en Mann ass, deen duerchaus wees vun wat en schwätzt. Desweideren bezweifelen ech dass den Här Roth déi zitéiert Saachen op Däitsch gesot huet an fannen et an deem Sënn eng Frechheet vir seng Kritik iwwert esou en Mann lass ze gin an dann selwer den Beitrag op Däitsch ze schreiwen!!!

    Esou schwätzen meeschtens Leit déi ze laang der aner Säit vun der Mousel geliewt hun. Dat verdierft den Charakter.

    Kommentar von bapple | Oktober 11, 2009

  5. Eigentlich sollte der ‚alte Mann / fünffacher Vater'(was hat denn das damit zu schaffen?) nicht auf das tendenziöse, verquere, erheiternde und erfrischend arrogante Gewäsch eines anonymen Heckenschützen antworten. So quatscht sich ein typischer Dialektiker durchs Problemgebüsch…

    Der ‚Alte‘ hasst weder Deutschland noch die Deutschen, zieht auch den Hut vor allen möglichen Leistungen’alter Männer‘ in der Bundesrepublik. Weiss ebenfalls, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen ‚Xenophobie‘ und ‚Xenomysie‘ gibt. Herr Niemand, geben Sie sich doch zu erkennen und setzen wir uns für eine redliche Aussprach ÖFFENTLICH an einen Tisch. Der ‚Olle‘ wird keineswegs kneifen!

    Kommentar von Lex Roth | März 12, 2011

  6. Danke für Ihre Antwort, Herr Roth, aber der Leserbrief ist nunmehr über zwei Jahre alt und meine Replik darauf ebenfalls, insofern ist das Ganze wohl leider nicht mehr sehr aktuell.

    Kommentar von CK | März 12, 2011

  7. Wei dann, CK? Keng Loscht op en ëffentlechen Débat?😉

    Kommentar von Jerome | März 13, 2011

  8. @Jerome: Dach, mee net onbedengt zu einem Thema, waat schons 2 Joer hir ass…

    Kommentar von CK | März 13, 2011


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