L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Luxemburger Hochzeiten II – Ein Friday-Rant der spontanen Sorte

Come on Luxemburg, alles beisammen im Neuronengebälk, der Rest senkrecht?

Da ist man mal ein paar Tage im Ausland und zuhause erwartet mich im Briefkasten eine Sondermegasuperduperausgabe des “Luxemburger Wort”, mit ausklappbaren Prinzenpaar-PinUp. Wenigstens gratis. Wie Schnupfen.

Dass man in Artikel die Kleiderordnung und Gästeliste (Link irgendwo, liebe Leserin, lieber Leser, Du klickst diese superhallowichtigen Links doch nicht wirklich?) informiert wird, setzt dem ganzen nur das großherzogliche i-Tüpfelchen auf. Die nicht vollzogene Trennung von Kirche und Staat und Monarchie hat ihr Sinnbild hier: Der Plenarsaal wird zum Speisesaal umfunktioniert. Schön, dass das Private des Monarchen die Staatsräume besetzen darf. Der Zusatz, dass dort eh nichts für diese Woche anstand (welch ein Zufall…) macht die Sache nicht besser. Es geht hier um den Akt, eine Besetzung des staatlichen Bereiches für private Zwecke. Occupy Plenar-Room. Wenn es so einfach ist, vielleicht auch Occupy Plenar-Heads?

Der Premierminister Junker belehrt uns: Ja, das Ländchen lebt. “Es ist ein wichtiger Tag im Leben unseres Landes” zitiert das Tageblatt den ansonsten um klare Worte nicht verlegenen Premier. Diese Wichtigkeit wurde bereits beschworen, als der alte Großherzog abdankte und der neue…gar keinen neuen Wind brachte. Repräsentation braucht keinen Repräsentanten scheint es, wer da steht ist irrelevant, nur die offensichtlichen Übertreibungen der damaligen und jetzigen Regierungspersonen lassen doch jeden mündigen Bürger fassungslos. Warum sagt jemand so etwas, wo dies doch offensichtlich gar nicht mit irgendeiner Realität konform läuft? Und die noch bessere Frage ist: Warum fühlen sich nur so wenige Luxemburger verarscht und machen ihr Kreuzchen doch wieder dort?

Et ass ee Staatsakt well en eis alleguer als Bierger vum Land direkt betrëfft. (dt: “Es ist ein Staatsakt, weil er uns alle als Bürger des direkt Landes betrifft.”) Nope, mich nicht. Eine Tradition, welche zwei Menschen vertraglich aneinander bindet, betrifft mich, als nicht unmittelbar betroffener, überhaupt nicht. Eine Hochzeit ist immer privat, eine Hochzeit als Staatsakt erinnert an dunklere Zeiten, wo auf diese Art Länder unter feudalen Herrschern aufgeteilt und erweitert wurden. Die Hochzeit der Tochter unseres aktuellen Außenminsters hat dann mehr Staatsaktnähe als die des Großherzogsohnes. Denn, zumindest hypothetisch, hätte ich den Außenminister wählen können und fühle mich ihm daher als citoyen mehr verbunden als jemandem, der sich mir “par la grace de Dieu” und dem Glück der Geburt aufoktroyiert.
Was mich tatsächlich betrifft? Z.B. die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Das hat Wirkung auf mich und mein Verhältnis zu diesem Ländchen, das meinetwegen ebenso als namensgebendes Territorium innerhalb eines europäischen Gefüges existieren könnte. Da braucht es auch keiner groß angelegten Feier und Feuerwerk um Legitimation zu erhalten.

Dass ich hier hauptsächlich aus dem “Tageblatt” zitiere und verlinke, hat den simplen Grund, dass ich, mit meiner halben Affinität jener, der Zeitung nahe stehenden, Partei, wenigstens dort einen gewissen Anstand erwartet hätte. Und vielleicht hat sie dass auch, immerhin liegt von ihr kein gefühltes Zentner ungelesenes Altpapier in meinem Recycling-Papiereimer.

Aber die Sache hat auch ein Gutes: Das ganze Trara führt zumindest als Gedankenspiel zu mehr Diversifizierung im Parteiensumpf. Eine weitere Leuchte im ganzen Schucki-Fasel-Hurra-Luxemburg-Gedöhns. Ebenso wie die Petition gegen die private Nutzung von Souveränitätsymbolen. Es stimmt nachdenklich, dass für eine solche Selbstverständlichkeit eine Petition ausgerufen werden muss. Only in Luxemburg. Im gleichen Artikel erfahren wird, dass 51% der Luxemburger Interesse an der Prinzenhochzeit zeigt. Schöne Wurst.

Wie gesagt, mich interessiert das Paar nicht, ich wünsche jedem alles Gute, nur soll er dafür nicht die Straßen sperren, welche ich benutzen möchte. Und vor allem soll dieses Luxemburger Volk der Lemminge ein bisschen aus diesem nationalistischen Getümmel herauslugen. Ansonsten sollten sie vielleicht ebenso dem Klischee der Lemminge zu Ende folgen. Besucher sollen mit dem Bus fahren? Vielleicht sollen Besucher besser zuhause bleiben und was Sinnvolleres tun, z.B. den eigenen Partner ein bisschen knuddeln. Mit dem Hund spazieren gehen. Sich in Leserbriefen auskotzen. Oder zumindest daran denken, wie und wo bei den nächsten Wahlen das Kreuzchen zu machen ist. Irgendwas, womit man dieses unheimliche Treiben monarchisch-staatlich-religiöser Verwebungen nicht unterstützt.

Angry Jayjay out!

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Oktober 19, 2012 - Posted by | Allgemeines, Luxemburg, Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft, Patriotismus | , , , , , ,

1 Kommentar »

  1. Waat ech uerwen als “Pin-Up” bezeechend hunn, kann een ouni weideres op een Karton pëschen, dann d’Konturen vum Gesiicht ausschneiden, zwee Lächer fir d’Aan, een Gummi drunn et voilà.
    …Helloween ass jo gläich.

    Kommentar von JayJay | Oktober 20, 2012


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