L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Luxemburger Hochzeiten

Man kann nur wenig Sinnvolles über die Liebe sagen. Und wenn es zuviel wird, kippt das Ganze plötzlich um. Man kennt das Phänomen aus dem eigenen Umfeld, wenn der beste Freund von einer neuen Liebe spricht, kommt man nicht umhin ab einem gewissen Zeitpunkt die Komik dahinter nicht zu übersehen. Was im Freundeskreis noch irgendwo eine süffisante Nähe hat, wird spätestens beim unisonoren Pressebombardement zur Lächerlichkeit.

Thema Numero uno in unserem katholischen Ländchen ist die bevorstehende Hochzeit des Erbgroßherzogsprinzen und seiner Comptesseverlobten. Hurra. Während die Kosten und das Ablaufprogramm dem Volk schmackhaft gemacht werden und Bürgermeister sich in ihrer Rolle als Partymacher rühmen können, toben sich Leser in Kommentarspalten über Sinn und Unsinn der Monarchie aus oder begrüßen als kaffeefahrtgestählte Befürworter einer groß angelegten nationalen Zusammengehörigheitsbekundung dass ihr Prinz nun seine und damit auch ihre Prinzessin ehelicht, Kritik gehört eh den Neidern. Abgesehen vom Schön-, Un- oder Blödsinn der Monarchie, fällt insgesamt die große Berichterstattung auf. Es wurde sogar (gefördert von kulturministerieller Seite) ein Liedchen komponiert. Und naturalisiert wird die Verlobte auch ganz schnell. Bei dieser groß angelegten Medienoffensive, fällt es doch schwer zu glauben, dass die einberufenen Pressekonferenzen, deren Inhalt die Journalisten wiedergeben, irgendwelche journalistische Relevanz haben. Fast könnte der Verdacht aufkommen, dass man es mit einer abgeschwächten Version der Poe’s Law zu tun hat: Eine Parodie hätte nicht besser inszeniert werden können. Doch ist das nur Beiwerk.

Inwieweit nun ein ritualisiertes Spektakel als Happening zu feiern oder ob die zur Schau gestellte, und damit nur allzu einstudiert wirkende, Liebe tatsächlich ein solches Event ist, soll jeder für sich entscheiden. Dabei ist das Hochzeitspaar nur sekundär interessant. Es bliebt viel eher die Frage, warum ein dermaßen großes Gedöns um solche Adeligenrituale gemacht werden: Das Spektakel muss zur Teilnahme animieren, ansonsten verfehlt es seinen Zweck. Und dieser Zweck ist die Legitimation durch die Massen. Wie heißt es doch bei Martin Buchholz? “Das Volk heißt Volk, weil es volkt.”

Wenn man etwas verbergen will, plaziert man es vor aller Augen: nun kann die Kirche mit der Regierung und der Monarchie Arm in Arm flanieren, legitimiert durch die vielen Zuschauer, welche dieser Orgie, wo Bischöfe, Minister und Herzöge sich gegenseitig schmücken, zujubeln. Ein flotter Dreier à la Luxembourg, voyeuristisch inszeniert bar jeder Erotik, dafür mit vielen ekstatischen Gaffern. Was bleibt ist das Bild, dass das nahezu pornographisch Dargebotene zusammen gehört und nur wenige Stimmen nach der längst überfälligen Trennung von Kirche und Staat verlangen werden. Denn es war doch so schön, ganz in weiß und einem Blumenstrauß. So wird dort Bedeutung erzeugt und Verbandelungen legitimiert, wo sie in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich längst verschwunden sein müssten.

Am 20. Oktober werden viele Leute nach Luxemburg-Stadt trotten. Fast allen wird gemein sein, dass sie sich der Lächerlichkeit ihrer und der anderen bewusst sind. Trotzdem werden weiterhin die Feste gefeiert, wie sie fallen. Und so entsteht gerade dadurch, dass man das Spiel mitspielt, die Macht der Spielleiter. Und diese scheint mit allen Mitteln erhalten werden zu müssen.

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Oktober 12, 2012 - Posted by | Luxemburg, Neues aus Luxemburg, Patriotismus, Religion | , , , , , , ,

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