L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Organhandel rettet Menschenleben

Ich wollte eigentlich schon länger diesen Tabubruch wagen, kam aber bisher leider nie dazu, aber die neuerlichen Debatten um Organtransplantationen wegen angeblichen Missbrauchs des “beschleunigten Vergabeverfahrens” haben mir klargemacht, dass die Zeit dafür endlich gekommen ist, es offen, klar und deutlich auszusprechen: ich bin schon einige Zeit ein Gegner des heutigen planwirtschaftlich organisierten Organvergabesystems. Planwirtschaft führt immer zur Mangelwirtschaft, egal ob es um die staatliche Vergabe von Autos oder Organen geht.


Das grösste Problem: der Staat verbietet Organe zu verkaufen. Organe dürfen nicht frei gehandelt werden, sondern müssen umsonst abgegeben werden. Preisfixierungen (in diesem Falle gar eine Preisfixierung auf 0 Euro) verknappen aber immer künstlich das Angebot.

Nun hätte ich damit sicher kein Problem, wenn dieses Gratissystem denn funktionieren würde. Blutspenden bspw. gibt es in Luxemburg meist genug, obwohl kein Geld dafür gezahlt wird. Solange das so ist, gibt es meines Erachtens keinen Grund, Blutspenden mit Geld zu belohnen. Die meisten Blutspender- ich war früher auch mal einer- tun dies aus der Überzeugung heraus, dass ja jeder mal Blut brauchen könnte und es im ureigensten Interesse ist, zu einem vernünftigen (nationalen) Blutspendevorrat beizutragen.

Organspender gibt es jedoch heute viel zu wenig. Das hat sicherlich diverse Gründe. So haben viele Menschen Angst, man würde sie vielleicht absichtlich sterben lassen, um an ihre Organe ranzukommen. Diese Angst ist aber irrational, denn gegen solchen Missbrauch gibt es allerhand Kontrollstrukturen. So müssen beispielsweis zwei Ärzte unabhängig voneinander eindeutig den Hirntod eines potentiellen Organspenders feststellen. Einen Menschen zu Unrecht für tot zu erklären um ihm Organe zu entnehmen, mag guter Stoff für spannende Horrorfilme sein, aber in der Praxis ist dergleichen nahezu unmöglich umsetzbar.

Aber was auch immer für Gründe genau vorliegen mögen, Geld wäre zweifellos eine Motivationsquelle sich näher mit dem Thema zu befassen, Ängste abzubauen und einen Organspendeausweis auszufüllen. Für den Anfang könnte ich mir vorstellen, dass es erlaubt werden könnte, dass Versicherungsagenten zusammen mit Lebensversicherungen auch Organverkaufsverträge ihren Kunden anbieten dürften. Der sich Versichernde könnte also unterschreiben, dass im Falle seines Ablebens seine noch brauchbaren Organe verkauft werden und der daraus resultierende Erlös seinen Hinterbliebenen neben der eigentlichen Versicherungssumme als zusätzliche finanzielle Absicherung vermacht wird.

In einer zweiten Phase sollte es zudem erlaubt werden auch als noch Lebender gewisse Körperteile anzubieten. Das klingt zunächst erschreckend, ist es aber nicht. So braucht ein Mensch zum Leben bspw. nur eine Niere, nicht unbedingt zwei. Zwar bedeutet der Verlust einer Niere gewisse Einschränkungen (bspw. beim Alkoholkonsum), aber ein weitestgehend normales Leben ist auch mit nur einer Niere möglich. Was spräche also dagegen eine Niere zu verkaufen? Auf der einen Seite wird ein Menschenleben gerettet, auf der anderen Seite bekommt ein anderer Mensch eine nicht gerade kleine Geldsumme zur (zumindest) materiellen Verbesserung seines Lebens.

Solche Deals gibt es bereits heute, vor allem in anderen Teilen der Welt, wo ärmere Menschen ihren Kindern so eine bessere Bildung finanzieren. Oder sich auch nur ein I-Phone und ein I-Pad zulegen wollen. Meines Erachtens sollte man zwar schon erwachsen sein um eine solch schwerwiegende Entscheidung treffen zu dürfen und nur für ein Handy würde ich so etwas persönlich selber nie tun, aber das Prinzip an sich verteidige ich dennoch. Denn entweder mein Körper gehört mir, dann darf ich auch meine Niere verkaufen, ohne dass dies den Staat etwas angeht. Oder nicht. Wenn mein Körper mir jedoch nicht selber gehört, wem dann?

Und genauso wie ich meine Niere verkaufen darf, darf ich eben auch mein Knochenmark, meine Haut, mein Blut, als Mann mein Sperma oder als Frau meine Eizellen verkaufen. Märkte für dergleichen gibt es ja teilweise bereits.

Leider finden Organentnahmen heute oft illegal in Hinterhöfen statt. Doch ist dies das beste Argument dafür endlich legale Strukturen zu schaffen zur Wahrung hygienischer und anderweitig sinnvoller Vorschriften und zur Gewährleistung seriöser medizinischer Nachuntersuchungen auch des Organgebers (um u.a. Infektionen zu vermeiden). Zudem würde der Organgeber wohl mehr Geld als heute bekommen, wo ein großer Teil des Geldes an sogenannte Mittelmänner geht, die gut an der Prohibitionspolitik der Staaten profitieren.

Solche Vorschläge treffen zumeist auf einen Sturm der Entrüstung. Aber wieso?

1. Man sollte kein Geld am Elend anderer Menschen verdienen.

Jeder an einer Organtransplantation Mitwirkende (Ärzte, OP-Helfer, Helikopterpiloten bspw.) wird auch bezahlt, wieso dann auch nicht der Organgeber (bzw. seine Hinterbliebenden)? Nun steht es all diesen Beteiligten natürlich frei auf Geld zu verzichten, aber sie werden nicht vom Staat gezwungen, untentgeltlich zu arbeiten.

2. “Reiche” können eher ein Organ bekommen als “Arme”. Oder: “Reiche” bekommen bessere Organe als “Ärmere”.

Das wird wohl so sein, aber mir ist ein System lieber, wo ich nur ein zweitklassiges Ersatzorgan bekäme und Bill Gates eine erstklassiges, ich vielleicht zudem etwas länger warten müsste als er, als ein System, wo ich ewig auf der Warteliste vergeblich verharre. Nun befürchte ich zwar, dass kein System perfekt wäre und wohl leider niemals für jede Nachfrage ein entsprechendes Angebot aufzufinden sein wird, aber mit Sicherheit würden in einem marktwirtschaftlicheren System unter dem Strich weniger Leute leer ausgehen als heute. Sprich: es würden mehr Menschenleben gerettet als heute. Und darum geht es doch! Menschenleben zu retten!

3. “Arme” Menschen werden ausgebeutet.

Bei einem Handel wird Wert gegen Wert getauscht. Der Geber gibt etwas ab im Gegenzug für etwas, was er für wichtiger hält. Viele Menschen können ihr Leben durch einen Organverkauf durchaus verbessern, so grotesk das zuerst einmal klingen mag.

Das heutige System ist jedenfalls wohl gescheitert, zumal allerhand Tricks längst angewandt werden um schneller ein Spendeorgan zu bekommen. Bis hin zur Bestechung oder zum bereits angesprochenen Schwarzmarkthandel. Auch das Vergabesystem als Ganzes gehört in Frage gestellt. Wieso sollten Organe zentral verteilt werden, wieso nicht über diverse Vertriebswege? Je mehr man drüber nachdenkt, desto mehr Fragen stellen sich einem. Zeit also endlich den Tabubruch zu wagen und über (freien) Organhandel nachzudenken!

Mehr zum Thema:


Walter Block on drugs, body parts and socialized medicine

Reason: Virginia Postrel on How to End The Kidney-Transplant Waiting List (with video)
Peter Oberender: Experte fordert freien Organhandel
Ronald Bailey: The Case for selling human organs
EF: Organhandel verboten, die Politik mit dem Leid

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August 18, 2012 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Libertarismus | , , ,

5 Kommentare »

  1. Also ich würde sofort eine Niere spenden,ich suche schon seit Tagen im Internet wo man das legal machen kann aber das ist sehr schwer eine Klinik zu finden.So ist das halt wenn man nicht weiter weiß und in finanzieller Not ist

    Kommentar von Tanja | August 23, 2012

  2. Jeder Arzt, jede Ethikkommission, eines jeden Krankenhauses sollte es ablehnen Organspenden wegen Geldsorgen anzunehmen. Ein so tief gehender Schnitt wie die Schädigung des eigenen Körpers aus Not heraus darf nicht mit Freiheit verwechselt werden.

    Überflüssig zu erwähnen, dass ich aus genannten Gründen den obrigen Text nicht mittrage.

    Kommentar von JayJay | August 24, 2012

  3. Tanja, wir können Dir da auch nicht helfen, wir unterstützen hier auch keine organisierte Kriminalität (die lehnen wir entschieden ab!).

    Des weiteren solltest Du einen solchen Schritt wie eine Lebendspende sehr gut bedenken und Dich vorher ausgiebig über alles, besonders die Risiken und Nebenwirkungen, informieren. Eine Niere spendet man nicht voreilig und überstürzt, egal wie sehr man das Geld braucht.

    Kommentar von CK | August 24, 2012

  4. Freilich vor zwei Jahren zu diesem Thema:

    http://www.freilich.ch/blog/?p=768

    Und natürlich Paul McKeever:

    Auch wenn ich verstehe, wieso er keinen Spendeausweis beantragt, kann ich ihm da persönlich nicht zustimmen.
    Ich glaube nicht, dass wir Menschen sterben lassen sollten, nur damit der Staat seine Politik ändert. Daher würde ich auch einen Spendeausweis nach wie vor für gut und wichtig halten, aber für den Rest stimme ich ihm zu.

    Kommentar von CK | August 24, 2012

  5. […] Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Allein mit dem Recht versucht er ein metaphysisches Ideal zu begründen, das doch ursprünglich der Angst entstammt im Totenreich nicht vollständig wieder aufzuerstehen, und heute emphatisch vor allem darum geachtet werden sollte, weil es die Unteilbarkeit des Menschen bekräftigt, in einer Weise die über den Menschen als gesellschaftliche Funktion hinausgeht (Liberale sollten den Toten als Ersatzteillager betrachten! Sie betrachten den Lebenden schon so!). […]

    Pingback von Die Sonntagsgesellschaft zur Weihnachtszeit (III) | SonntagsGesellschaft | Dezember 29, 2013


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