L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Meine Reise ins heilige Land

Hier das Tagebuch meiner Reise ins heilige Land.

Samstag, 05.09.2009.

Mitten in der Nacht landen lalibertine und ich auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv. Nachdem wir die zig Fragen bei der Passkontrolle (“Haben Sie Bekannte in Israel?”, “Wo werden Sie übernachten?”, “Wo wollen Sie hinfahren, was wollen Sie sich in Israel ansehen?” usw.) beantwortet haben, nehmen wir uns erstmal ein Taxi zum Strand. Da nur eine Spur zum Rausfahren gerade frei ist, streiten sich unser Taxifahrer und einer seiner Kollegen lautstark über die Vorfahrt. Ich muss auf die Zähne beissen um nicht laut zu lachen, während ich mitten in der Schußlinie sitze. Unser Taxifahrer will seinen Anspruch deutlich machen und nimmt es dabei sogar in Kauf den Bordstein zu rammen. So lerne ich gleich nach meiner Ankunft, dass israelische Autofahrer nicht viel von meinem Fahrlehrer gehalten hätten. “Defensiv fahren ist das Wichtigste!”, meinte dieser ständig, für Israelis undenkbar. Schon gar nicht für Taxifahrer. Nach einem letzten sich gegenseitig Anbrüllen beginnt endlich die Fahrt. Der gute Kerl gibt ordentlich Vollgas, wartet beim Bremsen vor Ampeln stets bis zur letzten Sekunde und stoppt jedesmal über die Stopspur hinaus. Wenn etwas ihm nicht passt, hupt er. Die Hupe scheint ohnehin der Israelis liebstes Teil am Auto zu sein ;) Ich soll in diesem Urlaub noch öfters über die israelischen Fahrkünste den Kopf schütteln, wenn auch mit einem Anflug von Bewunderung.

Am Strand angekommen, geniessen meine Begleiterin und ich erstmal den Sonnenaufgang, während wir im Sand liegen. Neben einigen Betrunkenen sind frühmorgens auch bereits Jogger am Strand zu sehen. Hut ab! In Tel Aviv joggen tags über überhaupt viele Menschen am Strand, die schöne Umgegend motiviert ja auch richtig dazu. Die Israelis scheinen aber generell recht sportlich zu sein. Möglicherweise auch ein Verdienst des obligatorischen Wehrdienstes.

Im Anschluß checken wir in unser Hostel in Jaffa ein. Eine sehr angenehme Location von der man auch einen schönen Blick auf die Stadt hat. In Tel Aviv sehen wir auch viele Menschen die mit ihrem Hund spazieren gehen sowie viele herumstreunende Katzen. Da sind einige wohl sehr tierlieb.

Nachmittags gehen wir ins Wasser. Das Mittelmeer ist wirklich im Sommer eine Badewanne. Die Wellen sind nicht sehr hoch (die besten sind ohnehin für Surfer reserviert), aber wir haben unseren Spass. Ein angenehmer erster Tag in Israel.

Sonntag, 06.09.2009.

Mit einem rappelvollen Bus voller Soldaten brechen wir am ersten Werktag in Israel nach Beer Sheva auf. Hier treffen wir die Schweizerin Ruth Bracha-Fink, die seit Mitte der neunziger Jahre in Israel lebt, einen Einheimischen geheiratet und zwei Kinder bekommen hat. In einem Café erzählt sie uns von ihren Anfängen in Israel, ihrer ersten gescheiterten Ehe, ihrem Job und sozialen Nebentätigkeiten, ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen. Vor allem der drohende Krieg mit dem Iran beschäftigt die israelische Gesellschaft zur Zeit sehr. Doch die Schweizerin schaut dennoch zweckoptimistisch in die Zukunft und lässt sich nicht von ihrer guten Laune abbringen. Wir schlendern mit ihr über den Markt von Beer Sheva, besuchen ein Einkaufszentrum (Kontrolle des Kofferraums und unserer sich darin befindlichen Rucksäcke beim Einfahrt in die Tiefgarage) sowie den Unicampus (auch hier wieder Kontrollen am Eingang) der “Wüstenmetropole”. Ruth erzählt uns, dass hier auch sehr viele Araber studieren. Apropos Araber: manche von ihnen wählen sogar durchaus den Likud. Und es gibt auch so einige, die freiwillig Wehrdienst leisten oder im Polizeidienst ihre Pflicht tun. Genauso wie die meisten Strassenschilder in Israel dreisprachig sind (hebräisch, arabisch und englisch), so lernen die Kinder hebräisch und arabisch in der Schule. In Krankenhäusern arbeiten jüdische und arabische Ärzte und Krankenschwestern ebenfalls vorbildlich zusammen.

Zu Mittag essen wir leckere Nudeln bei Ruth zuhause, wo wir auch ihren Schutzraum zu sehen bekommen, in dem sich während des Gazakrieges mit Henryk M.Broder ein prominenter Gast verschanzte.Auch andere Mitglieder der Achse des Guten wie der FDOG waren bereits hier.

Nachmittags besuchen wir erst das Denkmal für die Negev-Brigade, welches den gefallenen Mitgliedern des Palmachs gedenken soll, die Beer Sheva 1948 verteidigt hatten. Ruths jüngste Tochter liest uns einige Namen der Gefallenen vor. Wir wandern gedankenverloren durch dieses beeindruckende, minimalistische Kunstwerk.

Beer Sheva
Beer Sheva

Danach geht es in den Park of the Australian Soldier, der der Befreiung Beer Shevas von den Türken im 1.Weltkrieg durch eine australische Division der britischen Armee gedenkt. Hier wurde ein Spielplatz für Kinder angelegt.

Australian Soldier

Zudem sehen wir uns das Kunstzentrum der äthiopischen Einwanderer an, in dem vor allem aus Äthiopien nach Israel eingewanderte Frauen das traditionsreiche, althergebrachte Kunsthandwerk der äthiopischen Juden, wie sie es in ihren Heimatdörfern gelernt haben, bewahren. So stellen sie etwa Keramik, Stickereien, Skulpturen und Stroharbeiten her. Gegen Abend verabschieden wir uns von Ruth und verbringen die Nacht schliesslich in einem Hotel in Beer Sheva, in dem es am Tag danach ein gutes Frühstück gibt.

Montag, 07.09.2009.

Mit dem Bus fahren wir nach Sderot. Sderot liegt an der Grenze zum Gaza-Streifen im westlichen Teil der Negev-Wüste. Über 8600 Raketen, Kassams wie Katyushas, der Hamas landeten hier zwischen 2001 und 2009, davon allein über 1000 im Januar und Februar des Jahres 2008. Besonders schlimm wurde es ab 2005 nach dem Abzug der IDF-Truppen aus dem Gazastreifen. Die Überreste der abgefeuerten Raketen werden hinter der Polizeistation aufbewahrt. Wir schiessen Fotos.

Vom Ertönen des in Sderot installierten Frühwarnsystems („Tseva Adom“, zu deutsch „Farbe Rot“) bis zum Einschlag einer Rakete bleiben nur ca. fünfzehn Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen. Neben den Schutzräumen in den Häusern gibt es jede Menge Bunker draussen auf der Strasse. So dienen die Bushäuschen gleich einem doppelten Zweck: zum Einen kann man sich bei sengender Hitze dort in den Schatten unterstellen, zum Anderen dienen dieselben längst als Schutzbunker.

Ein älterer Herr spricht uns auf französisch an, als er sieht, dass wir Fotos schiessen. Er meint, es sei viel ruhiger geworden nach der „Operation Gegossenes Blei“, vorher jedoch hätten die Einwohner Sderots lange furchtbar gelitten. Besonders die Kinder werden von Alpträumen nachts heimgesucht. Der gute Mann meint jedoch, er habe schon viel erlebt, auch mehrere Kriege und eine schwere OP, aber er würde durchhalten. So sei das halt in Israel.

Wer Sderot erlebt hat, kann den Überlebenskampf Israels, die Sorge um die Sicherheit seiner Bürger und die Angst vor Terrorismus, nachvollziehen. Ich war ganz froh, Sderot, ohne die Erfahrung eines Bombenalarms, nach nur zwei Stunden wieder verlassen zu können.

Mit dem Bus fahren wir nun über Beer Sheva nach Mitzpe Ramon, wo wir zwei Nächte im Silent Arrow verbringen wollen. Das Silent Arrow liegt ca. 500 m ausserhalb der Ortschaft. Hier gibt es Hütten und Zelte, sogar ein Lagerfeuer. Keinen Strom, dafür aber Kerzenlicht sowie einen Gasherd zum Kochen im Gemeinschaftszelt, Container-Duschen und Matratzen zum drauf Nächtigen im Übernachtungszelt. Dort rollen wir unsere Schlafsäcke aus. Die Location ist einfach nur genial. Nachts kann man vorm Einschlafen den Sternenhimmel bewundern und den Traum des Aussteigers kurzfristig leben.

Silent Arrow
Silent Arrow

Dienstag, 08.09.2009.

Mitzpe Ramon ist vor allem für seinen Erosionskrater Maktesh Ramon bekannt. Bei sengender Hitze unternehmen wir vormittags eine drei bis vierstündige Wanderung in den Krater hinunter und wieder hoch. Eine beeindruckende Wüstenlandschaft offenbart sich uns. Skorpione, Schlangen und Spinnen kriegen wir zur Enttäuschung meiner Begleitung aber leider nicht zu sehen :D

Ich bin ziemlich geschafft als wir wieder oben sind und freue mich erstmal auf meinen leckeren, griechischen Salat. Nach dem Mittagessen besichtigen wir im Besucherzentrum die kleine Ausstellung über den Krater, seine Geschichte und die dort lebenden Tiere, welche hauptsächlich aus einem Videofilm besteht.

MitzpeRamon
MitzpeRamon

Abends kochen wir zusammen mit dem Italiener Lorenzo (der als einziger Gast noch nicht wieder abgereist ist) Spaghetti und Salat im Silent Arrow. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und lachen viel zusammen. Lorenzo ist Fotograf und kommt aus Florenz. Ausser uns dreien ist nur noch der Hund des Besitzers anwesend, der Besitzer selbst hat aus familiären Gründen sich erstmal eine Auszeit genommen und Lorenzo die Aufsicht über das Silent Arrow überlassen. Der Tag klingt bei einem leckeren Bierchen wunderbar aus.

Mittwoch, 9.09.2009.

teams

Wir sind wieder in Tel Aviv, wo wir uns abends dank zweier Freikarten der FLF das Länderspiel Israel-Luxemburg ansehen. Durch einen Patzer von Oberweis liegen die roten Löwen schnell 1-0 hinten und werden in der Folge wegen einer völlig inakzeptablen, desolaten Leistung mit 7-0 abgeschossen. Angenehm an diesem Tag ist allein die Fahrt mit dem Journalistentroß im Kleinbus zum Stadion sowie das Beisammensein nach dem Spiel in der Hotellobby des Sheraton, welche wir nach Mitternacht verlassen um mit einem Taxi zu unserem Hostel in Jaffa zu gelangen.

Donnerstag, 10.09.2009.

Es geht mit dem Bus nach Haifa wo wir drei Nächte im PortInn verbringen werden. Ein sehr sauberes Hostel mit einer großen Auswahl an Speisen zum Frühstück.

Nach einer langen Busfahrt landen wir in einem Kibbuz im Norden Israels, wo wir Lila treffen, eine deutsche Bloggerin, die seit ein paar Jahren im Internet über ihr Leben in Israel, ihren Alltag im Kibbuz schreibt und dabei ihre persönlichen Gedanken zur politischen Lage und zur Bedrohung ihres Staates zu Papier bringt bzw. in Bits&Bytes der Umwelt übermittelt.

Die Christin Lila ist mit dem Juden Y. verheiratet, vierfache Mutter und überzeugter Kibbuznik. Lila führt uns erstmal durch den Kibbuz und erklärt uns wie das Leben dort abläuft. Wir beginnen im Waschsalon, wo jede Familie ihre Wäsche machen lassen kann um sie später in einem persönlichen Fach abzuholen. Früher war hier allerdings wohl mehr los, immer mehr Menschen haben zuhause ihre eigene Waschmaschine. In jedem Kibbuz gibt es auch ein schwarzes Brett wo man Aufgaben ausschreiben kann und jedes Mitglied hat sein eigenes kleines Postfach.

Der Kindergarten ist seit der zweiten Intifada von einem Sicherheitszaun umgeben. Hier befindet sich auch ein Spielplatz mit echten, ausrangierten Haushaltsgeräten. Die Idee dahinter ist, dass Kinder lieber mit “echtem Zeug” spielen als nur mit “Spielsachen”. Früher schliefen die Kinder im Kibbuz in gemeinschaftlichen Schlafräumen und waren nur abends bei ihren Eltern “zu Gast”, dies hat sich jedoch längst geändert und sie schlafen im Familienhaus. Im Kibbuz gab es das Prinzip des “Sechsers”. Die Kinder wurden von ganz klein auf in Sechsergruppen unterteilt und dann zusammen aufgezogen, gemeinsam alle Klassen durchlaufend. Die jeweils fünf anderen Gruppenmitglieder sollten dann- wenn möglich- auf ewig die besten Freunde im Leben des Kibbuzniks bleiben.

Die Kinderbetreuung im Kibbuz ist sehr gut und berufstätige Frauen können sich darauf verlassen, dass ihre Kinder optimal versorgt sind. Hier funktioniert freiwilliger(!) Sozialismus, auch wenn sich manches in den letzten Jahren geändert hat. So wurden manche Rechte wie das “Recht auf einen neuen Anstrich der Fassade alle sechs Jahre” aus Kostengründen abgeschafft. Regelmässig gibt es Versammlungen, die jeder Kibbuznik besuchen darf und wo mehr oder weniger wichtige Entscheidungen basisdemokratisch getroffen werden. Sehr gut gefällt mir auch persönlich, dass jedes Mitglied bei Erlangung der Volljährigkeit vom Kibbuz eine eigene, kleine Wohnung in einem kleinen Häuschen gestellt bekommt um sich von zuhause abnabeln und erwachsen werden zu können. Gustav Landauer oder Rudolf Rocker (“Der Sozialismus wird frei sein oder er wird nicht sein”) hätten hier sicher leben wollen.

Wie in jedem Kibbuz gibt es auch einen Platz wo grössere Feste und Gedenkfeiern stattfinden. Auf hebräisch steht hier “In Gedenken an die gefallenen Söhne” (da steht nichts von “Töchtern”, obwohl auch Frauen in der Armee dienen), anbei die Namen von im Kampf umgekommenen Kibbuzniks. Lila erzählt uns, dass hier oft Veteranen von ihren Kriegserfahrungen berichten und sich dabei die Frage stellen: “Wieso das alles?” Hier denkt niemand: “Den Arabern haben wir es aber gegeben”, im Gegenteil. Man wünscht sich Frieden. Selbst 1967 wollten die meisten das eroberte Land gleich wieder zurückgeben im Austausch für eine Anerkennung des Existenzrechtes des jüdischen Staates durch die Nachbarn, was aber durch die drei “Neins” von Khartoum leider verhindert wurde. Die israelische Gesellschaft ist ohnehin eine sehr reflektierende Gesellschaft. Auch wenn viele Leser es nicht glauben mögen: profaner Militarismus ist in Israel keineswegs angesagt.

Lila unterrichtet als Kunsthistorikerin und hat sehr viele arabische Studenten, mit denen sie bestens auskommt. Woher ein Mensch kommt, ist ihr eh nicht wichtig, wichtig ist ihr allein, was für ein Mensch man ist, welche Werte man hat und wie zivilisiert man mit seinen Mitmenschen umgeht. Sie hat ein offenes Gehör für die Probleme ihrer Mitmenschen, ist sehr tolerant und aufgeschlossen und versucht erstmal jeden Menschen zu verstehen. Ihr ist Frieden mit den Palästinensern sehr wichtig, ist sich jedoch der Bedrohung durch den radikalen Islam mehr als bewusst und verteidigt natürlich die Schutzmauer, sich der drohenden Gefahr von der “anderen Seite” durchaus bewusst. Viele Deutsche verstehen ihrer Meinung nach einfach nicht, was in Israel abgeht und sind auch von der Presse oft fehlinformiert, daher fehlgeleitet und unfair gegenüber ihrer Wahlheimat. “Wir sind längst auch im Kibbuz aus unseren naiven Ansätzen zum Frieden aufgewacht. Früher wählten viel mehr Kibbuzniks die linke Merez oder auch Avoda, viele dieser Wähler sind laut Statistiken mittlerweile zur Kadima gewechselt.”

In Lilas Wohnung lernen wir ihre Töchter Quarta (die wir zum Musikunterricht begleiten) und Tertia kurz kennen, sowie ihren Sohn Secundus und ihre Katzen, darunter den tapferen Leo. Nachdem wir von unserer Gastgeberin beköstigt worden sind, geht unsere Besichtigungstour durch den sehr familienfreundlichen Kibbuz weiter. Sogar ein Schwimmbad gibt es hier, welches bei Kindern, vor allem wegen seiner Rutsche, sehr beliebt ist. Sowie einen Autopark, wo jeder sich einen Wagen ausleihen kann, jene gehören der Gemeinschaft. Auch an einem Schafstall kommen wir vorbei. Irgendwann stehen wir am Rande des Kibbuz und blicken auf Haifa und das Meer in der Ferne. Lila zeigt mit dem Finger auf eine Stadt weiter nördlich. “Das ist bereits Umm el Fahm.” Eine rein arabische Ortschaft, deren Bewohner von vielen Israelis sehr argwöhnisch betrachtet werden, da befürchtet wird, dort sei eine “fünfte Kolonne” beheimatet. Doch trotz ihrer sehr kritischen Haltung zum Judenstaat wollen die Bewohner laut Umfragen dort Israelis bleiben und nicht einem palästinensischen Staat angehören. Sie werden schon wissen wieso. Auch das Westjordanland ist bereits gut zu sehen. “Da seht ihr wie nah das alles bereits ist und dass die Existenzängste sehr real sind.” Ich nicke.

Auch Lilas Mann Y. lernen wir an diesem Tag noch kennen. Gegen Abend bringen die beiden uns mit Y.´s Wagen zur nächsten Busstation. Dort verabschieden wir uns von ihnen und fahren mit dem Bus (wir sind längst begeisterte Egged-Nutzer) zurück nach Haifa.

Freitag, 11.09.2009.

Wir besuchen die Gärten um den Schrein der Bahai in Haifa. Die Bahai sind eine religiöse Gruppierung, die im Iran brutal verfolgt wird, in Israel jedoch dank der Religionsfreiheit in Frieden und Freiheit leben kann. Die Gärten sind wirklich wunderschön, hier regiert eine magische Symmetrie. Der Schrein selbst wird zur Zeit leider renoviert und war daher nicht wirklich zu sehen.

Bahai
Bahai

Wir wandern auch durch Wadi Nisnas, wo Juden, Muslime und Christen in Frieden miteinander leben und gemeinsam religiöse Feste feiern.

Samstag, 12.09.2009.

Wir brechen mit einem Sherut zu einem Tagesausflug nach Akko auf. Sheruts sind Sammeltaxis, die- ähnlich wie Busse- bestimmte Strecken abfahren und unterwegs immer mal wieder Leute mitnehmen oder aussteigen lassen. Bezahlen tut man- frei nach Wahl- irgendwann beim Fahrer. Sei es gleich beim Einsteigen, während der Fahrt oder später beim Aussteigen. Der, der weiter hinten sitzt, gibt sein Geld seinem Vordermann und es wandert durch diverse Hände zum Fahrer, etwaiges Rückgeld kommt ebenso zurück. Sehr praktisch. Der Sherut-Fahrer beweist hierbei seine Multitasking-Qualitäten, muss er doch gleichzeitig den Wagen durch den Verkehr steuern, Geld einkassieren, im Kopf den Preis und etwaiges Rückgeld ausrechnen und selbiges wieder ausgeben. Das Sherut-Modell ist eines, welches auch für Luxemburg interessiert wäre, erst kürzlich hat sich Wirtschaftsminister Jeannot Krecké ja wieder über die hohen (vom Staat übrigens festgeschriebenen!) Taxipreise aufgeregt.

Mit dem Sherut geht es also nach Akko, eine vorwiegend arabische Stadt. Wir versuchen auf diese Weise der Shabbat-Ruhe in Haifa zu entgehen. Eine sehr gute Idee, wie sich herausstellt. Die Altstadt von Akko ist wirklich interessant.

Akko

Wir besichtigen die alte Festung aus Kreuzfahrerzeiten, die während der britischen Mandatszeit als Gefängnis für die jüdischen Untergrundorganisationen diente (hier gab es eine spektakuläre Befreiungsorganisation der Irgun), das türkische Badehaus Hamam al Basha (lustiger Videofilm dort!), den alten Tunnel der Templer, die Karawanserei Khan El-Umdan, “Napoleons Kanonen”, die Ausstellung über die Anfänge des Zionismus und den Aufbau des Landes Israel, das Okashi-Museum (irgendwie kann ich dessen abstrakter, düsterer Kunst aber wenig abgewinnen) und die El-Jezzar-Moschee. El-Jezzar (“der Schlächter”) hat angeblich alle seine 36 Frauen umbringen lassen, nachdem eine ihn angeblich verraten hatte, er aber nicht wusste welche. Ein sympathischer Zeitgenosse. Die Moschee jedoch ist wirklich sehr schön.

Moschee

Wir essen zwischendurch in einem netten Restaurant gleich am Mittelmeer zu Mittag. Kinder amüsieren sich und springen wie von einem Zehnmeterturm von den alten Mauern in die Bucht. Später fahren wir mit einem Sherut wieder zurück nach Haifa, wo ich viel später am Abend noch ein Bier im Irish Pub gegenüber unseres Hostels trinke und mich sehr nett mit dem Wirt unterhalte, der wohl noch nie vorher einen Luxemburger traf ;-)

Sonntag, 13.09.2009.

Endlich geht es nach Jerusalem, wo wir im Citadel Hostel einchecken, welches sich im armenischen Teil der Altstadt befindet. Jene besteht aus vier Vierteln: dem christlichen, dem muslimischem, dem jüdischen und eben dem armenischen Viertel. Im Hostel lernen wir auch den deutschen Globetrotter Martin Riegeros kennen, mit dem wir uns auf Anhieb sehr gut verstehen. Wir begeben uns nachher gleich zur Klagemauer, der sogenannten Westmauer, die noch vom Zweiten Tempel übriggeblieben ist. Im Anschluß laufen wir über die Via Dolorosa und besichtigen die Grabeskirche. Hier bieten sich uns komische Spektakel religiöser Verehrung. Leute, die unbedingt einen Stein anfassen wollen oder gar umarmen und küssen, weil darauf mal Jesus´Leichnam gelegen haben soll, sind mir persönlich doch etwas suspekt.

Abends treffen wir uns mit Claude Sternberg, mit dem wir in einem sehr guten einheimischen Restaurant (keine typische Tourilocation!) speisen. Claude ist in Luxemburg geboren und aufgewachsen und 1979 im Alter von 24 Jahren nach Israel ausgewandert, weil sein Herz ihn als überzeugten Juden dahinzog. Seit 1984 arbeitet er nun bereits- von einer kurzen Phase in den Achtzigern mal abgesehen, als wegen der ersten Intifada weniger Touristen nach Israel kamen und er deshalb ein Aquariumsgeschäft betrieb- als professioneller Fremdenführer für ganz Israel. In dieser Funktion führte er auch bereits luxemburgische Politiker herum. Seine brasilianische Ehefrau lernte er bei einer Führung kennen, sie war als Touristin im heiligen Land. Mit ihr hat er zwei Söhne. Claude spricht natürlich längst perfekt hebräisch, hat aber auch sein Luxemburgisch und sein Deutsch keineswegs verlernt. Zur Zeit arbeitet er an einem französischsprachigen Buch mit philosophischen Gedanken zum Judentum.

“Ich bin gar nicht so religiös. Klar, ich esse nur koscher, aber ich fahre am Shabbat schon mit dem Auto”, meint Claude lächelnd, als ich meine, er sei ja viel gläubiger als ich Agnostiker. Dieser Satz passt zu dem gerne zu Scherzen aufgelegten Juden.

Wir unterhalten uns natürlich auch über den Nahostkonflikt. “Darüber kann man sich bis in alle Ewigkeiten unterhalten und ist doch so schlau als wie zuvor”, so Claude, der jedoch im Gegensatz zu den meisten Israelis die Zweistaatenlösung (diese heilige Kuh der Weltpolitik) ablehnt. “2/3 des britischen Mandatsgebietes Palästina gingen ohnehin an die Araber. Das Land nennt sich heute Jordanien, ehemals Transjordanien. Desweiteren gibt es bereits 22 arabische Staaten, wieso da noch ein Palästina in Judäa und Samaria?” Von der Kritik an der Siedlungspolitik hält er auch wenig. “Das ist auch unser Land. Das Land der Juden. Nicht nur das der Araber. Überdies was sollte eine Räumung denn bitte schön bringen? Wir haben Gaza geräumt, alle jüdischen Siedler dort gegen ihren Willen mit Hilfe der Polizei entfernt, wo ich eigentlich auch schon dagegen war. Und was hat uns dies gebracht? Alle konnten sehen, was das gebracht hat. Raketen über Raketen der Hamas auf die umliegenden israelischen Ortschaften…”

Claudes zweiter Sohn arbeitet bei den Fallschirmspringern im medizinischen Dienst. “Vielen Menschen haben er und seine Kollegen das Leben im Gazaeinsatz gerettet. Auch gerade sehr vielen Palästinensern. Darüber berichtet die europäische Presse natürlich nicht.” Auch er findet die europäische Politik viel zu israelkritisch, wenn nicht gar regelrecht israelfeindlich. “Aber es gibt halt solche Trends. In den 70ern der Feminismus und der Sozialismus, heute eben leider der unsägliche Antiisraelismus.” Europa beobachtet er ohnehin längst mit Skepsis. “Wofür steht Europa heute eigentlich noch? Welche Werte haben die Menschen dort noch, die sie auch offensiv verteidigen? Ist doch kein Wunder, dass immer mehr Leute ihr Heil im Islam suchen, wenn ihnen keine eigenen Werte mehr beigebracht werden.”

Werte sind Claude zurecht sehr wichtig. Solidarität, Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft sind den meisten Israelis sehr wichtig. So schlimm der ewige Kriegszustand auch ist, der Feind von aussen führt doch auch zu einem größeren Zusammenhalt unter den Menschen. Ich frage nach den Arabern in Israel, wie es mit deren Loyalität zum Staate Israel aussieht. “Ja, manche sind sehr loyal, Andere weniger. Es gibt in der Tat viele, die- sicherlich auch nicht ganz unverständlich- sich mit ihren palästinensischen Brüdern solidarisieren, vor allem bei militärischen Einsätzen der IDF. Aber dennoch wissen die doch alle, wie gut sie es hier haben. Die haben hier doch viel mehr Freiheiten und Rechte als sie in irgendeinem arabischen Staat jemals hätten.”

Ich will natürlich wissen ob Claude an Frieden mit den Palästinensern glaubt, von denen die meisten Muslime sind und die er gerne als “les cousins Ismael” bezeichnet, die religiösen Zwistigkeiten als Familienquerelle ansehend. “Frieden ist, wenn überhaupt, nur aus einer Position der Stärke heraus möglich, wieso ich auch eher rechte Parteien in Israel wähle. Aber ja, ich glaube daran dass es eines Tages hier Frieden geben wird. Wann, kann Dir aber keiner sagen. Die Araber lieben dieses Land, genauso wie wir es lieben. Wir lieben beide dieses Land. Beide Völker, ein geliebtes Land. Diese Liebe zum heiligen Land wird eines Tages zu Frieden führen.” Sein Wort in Gottes Ohr. Oder so.

Nach dem Essen bringt uns Claude im Auto zu einem Aussichtspunkt, von wo aus wir eine tolle Aussicht über die Stadt Jerusalem bei Nacht haben. Es ist jetzt sehr kühl und ich fröstele leicht. In Jerusalem ist es nachts wirklich nicht warm (ganz im Gegensatz zu Tel Aviv), was wohl auch daran liegt, dass die Stadt bereits auf 800m in den Bergen liegt. Im Anschluß bringt Claude uns zurück zum Jaffator.

Montag, 14.09.2009.

Gleich früh morgens stehen wir auf und brechen zum Tempelberg auf. Der Zugang für Andersgläubige wird von israelischen Soldaten kontrolliert, die Anlage selbst jedoch wird von der Waqf autonom verwaltet, die zusammen mit israelischen Soldaten auch die anderen Zugänge (nur für Muslime) kontrolliert. Sowohl den Felsendom als auch die Al-Aqsa-Moschee dürfen Nicht-Muslime leider nicht (mehr) betreten. Aber die Anlage gefällt uns auch so sehr gut und wir schiessen begeistert Fotos. Der Felsendom ist schon sehr beeindruckend. Danach geht es zur Davidsstadt, wo wir eine Führung an archäologischen Ausgrabungen vorbei machen und uns die Geschichte Davids und Salomons erzählt wird.

Sehr hübsch, weil im Gegensatz zum lauten arabischen Bazarviertel eher ruhig und gemütlich ist das jüdische Viertel der Jerusalemer Altstadt. Ein älterer Jude führt mich und lalibertine hier herum und erzählt uns wie das Viertel nach dem 48er-Krieg von den Jordaniern zerstört und die Juden vertrieben worden sind bis es nach 1967 wieder neu zum Leben erweckt wurde. Der ältere Herr ist sehr nett und will lalibertine und mich sogar verkuppeln, denn eine Frau, in die man sich in Jerusalem verliebt, ist eine Frau fürs Leben, zumindest vergisst man sie nie :D

Nach dem Mittagessen geht es zum Ölberg. An der Kirche der Nationen liegt der Garten Gethsemane, wo Judas Iskariot Jesus verraten haben soll. Besucher müssen eine kleine Spende zahlen und erhalten einen Ölzweig von den Olivenbäumen im Garten. Wir wandern den Berg hinauf und besichtigen die Paternosterkirche. Hier gibt es das Vaterunser in 140 Sprachen, luxemburgisch inklusive. Dort in der Gegend unterhalten jüdische Siedler einen demonstrativ israelisch beflaggten Stützpunkt, um ihren Anspruch auf Siedlungsrechte in diesem Gebiet zu bekräftigen. Wir erleben die Ankunft eines Busses solcher Siedler. Manche Männer unter ihnen tragen ein Gewehr. Glauben die etwa, sie müssten sich vor bösen Arabern schützen oder stehen die nur auf Waffen?

Auch Mea Shearim statten wir einen Besuch ab. Hier leben ultraorthodoxe Juden, die sich an strengste Kleidervorschriften halten müssen. Unzüchtig herumlaufende Besucher, vor allem Besucherinnen, werden notfalls schonmal mit Steinen beworfen. Mea Shearim ist die Heimat der Haredim. Diese sprechen meist nur zu religiösen Zwecken hebräisch und ansonsten jiddisch oder auch russisch, je nach Herkunft. Die Haredim sind in Israel nicht sonderlich beliebt, da der Staat ihnen Privilegien gewährt. So müssen sie nicht wie alle anderen Israelis (Araber natürlich mal ausgenommen) Wehrdienst absolvieren und werden- wie ihre oft große kinderreiche Familie- vom Staat alimentiert, da sie ja den ganzen Tag Thora und Talmud studieren müssen. Manche lehnen den Staat Israel gar als Gotteslästerung ab und sind radikal antizionistisch eingestellt (Neturei Karta). Mea Shearim ist wie ein Mikrokosmos, in dem eine andere Zeit noch gegeben ist. Die Leute leben wie im Schtetl früher. Solche religiösen Fundis werde ich wohl nie verstehen.

Dienstag, 15.09.2009.

Wir fahren ins Westjordanland (Autononomiegebiet der Palästinenser, wo die Fatah um Abbas regiert), um uns ein Bild über die Lage der Menschen dort zu machen. Als lalibertine und ich mit dem Sherut aus Jerusalem in Ramallah ankommen, stellen wir witzigerweise gleich mal fest, dass die Uhren in Palästina anders ticken, die liegen nämlich eine Stunde hinter der israelischen Uhrzeit, was den Muslimen wegen Ramadan allerdings wohl auch sehr entgegen kommt, da es so früher dunkel wird (und es früher wieder etwas zu essen gibt.) Ramallah sieht wirklich nicht aus wie eine Stadt in einem Entwicklungsland. Es gibt Geschäfte, Boutiquen, Apotheken, Einkaufscenter und vieles, was das Herz begehrt. Wirtschaftlicher Aufschwung scheint hier durchaus vorhanden zu sein, wenngleich vieles natürlich mit Hilfe von Organisationen wie bspw. USAID (deren Werbung auch nicht zu übersehen ist) finanziert wurde und wird. Bezüglich Arbeitslosenzahlen mag die Sache allerdings wohl nicht mehr so rosig aussehen, zumal so einige Palästinenser, die in Israel arbeiteten, nach der zweiten Intifada ihren Job verloren haben. Diese israelischen Arbeitsplätze gingen dann an Neueinwanderer aus Osteuropa oder an Gastarbeiter von den Philippinen. Da können sich die Palästinenser aber mal bei diesen tollen „Helden des Befreiungskampfes“ bedanken. Dennoch: wirkliche Armut sieht anders aus, man sehe sich beispielsweise Länder wie Malawi, Simbabwe oder den Senegal mal an. Aber die Palästinenser haben weltweit ja auch ne sehr große Lobby und kriegen daher Hilfe von jedermann. Nirgendwo boomt die sogenannte „Rescue Industry“ wohl mehr.

Nach Ramallah geht es mit einem weiteren Sherut an mehreren Dörfern vorbei nach Betlehem. Wir betreten die Geburtskirche, die angeblich genau dort errichtet wurde wo sich vor über 2000 Jahren die Krippe befand, in der Maria den Sohn Gottes zur Welt brachte. Gleich nebenan gibt es auch ein sogenanntes Peace Center, welches sich offiziell um Frieden zwischen Israel und Palästina bemüht, aber recht einseitig Stellung für den „edlen Underdog“ bezieht. Hier wird darauf aufmerksam gemacht, dass im Rahmen der israelischen Sicherheitsvorkehrungen, die auch die Kontrolle ganzer Strassen beinhaltet, die Palästinensergebiete immer mehr zu einem Flickenteppich werden und der Anti-Terror-Fence wird als „Apartheidsmauer“ bezeichnet. Drinnen gibt es aber immerhin hübsche Fotos vom Mosaik im Felsendom zu sehen, sowie sehr schöne Krippendarstellungen. Wir wandern noch ein wenig über den Markt und kommen an der Betlehem University vorbei wo es im Gegensatz zum Campus der Uni in Beer Sheva natürlich keine Sicherheitskontrollen wegen Terrorgefahr gibt.

Auffallend für lalibertine ist vor allem, dass wir im Westjordanland- verglichen zu noch vor zwölf Jahren- viel mehr Frauen, zumindest mit Kopftuch oder gar ganz verhüllt, gesehen haben. Ein Phänomen, was ja angeblich überall in der arabisch-muslimischen Welt zu beobachten ist. Wobei es in Betlehem, wo ja auch einige Christen wohnen, durchaus auch noch unverschleierte, einheimische Frauen zu sehen gibt. Dennoch: der Trend geht hin zu einem bewussteren Leben nach islamischen Regeln.

Mit einem Taxi fahren wir zum Checkpoint nach Jerusalem. Beim Aussteigen vergißt lalibertine unglücklicherweise ihre Fotokamera im Auto, was wir leider erst merken, als wir die Mauer fotografieren wollen. Der Taxifahrer ist leider bereits verschwunden. Kurzerhand wird der Entschluß gefasst, dass ich alleine rübergehe und lalibertine erstmal versuchen wird mit Hilfe eines anderen Taxifahrers den betreffenden Wagen wiederzufinden um dann später nachzukommen.

In Jerusalem wieder angekommen, tausche ich erstmal ein paar Schekel gegen Dollars um, da wir eine Tourifahrt in einem Kleinbus zum toten Meer am Donnerstag buchen wollen (und dies geht nur mit Dollars!) Die beiden Juden im Money Change am Jaffator sind sehr freundlich und lustig und geben mir Diätcola aus. “Ich war bereits in Luxemburg”, erzählt mir der eine stolz, “gibt es das Hotel Cravat noch? Da habe ich übernachtet.” Ich versichere ihm, dass es dieses immer noch gibt.

Mittwoch, 16.09.2009.

Ich statte Yad Vashem einen Besuch ab, während lalibertine in Betlehem derweil vergeblich versucht ihren Fotoapparat wiederzubekommen. Ich bin über drei Stunden an der Holocaust-Gedenkstätte und habe doch bei weitem noch nicht alles mir detailliert angesehen. Auch wenn in der Schule der Schrecken der Nazizeit keine unbedeutende Rolle im Geschichtsunterricht spielte, so ist doch die direkte Konfrontation mit diesem Grauen immer wieder unglaublich bewegend, zumal wenn man mit einzelnen Schicksalen konfrontiert wird. Die Massenerschiessungen in Osteuropa, die Vernichtungslager, das triste Leben in den Ghettos von Warschau, Theresienstadt und Lodz… Alles Wesentliche ist hier dokumentiert und es wird versucht, eine Erinnerungsakte für jeden einzelnen ermordeten Juden anzulegen. Tief bewegt, aber auch froh wieder aus der Hölle raus zu sein, fahre ich mit einem Taxi wieder zurück zum Jaffator und gehe im Anschluß mit lalibertine und Martin essen.

Nachmittags schlendern lalibertine und ich ein wenig über den Ramparts’Walk zum Zionstor, besuchen dort die Dormitio-Kirche und später das Grab von Oskar Schindler.

Donnerstag, 17.09.2009.

Wir brechen mit anderen Touristen zu einer Kleinbustour ans Tote Meer auf. Hierbei lernen wir auch die deutschen Christen Kerstin und Christoph kennen, die witzigerweise im gleichen Hostel wie wir übernachten. Zunächst geht es nach Qumran. Hier erzählt ein kurzes Video uns von Juden, die hier mal in Höhlen gelebt haben, bei deren Entdeckung Archäologen wichtige Schriftrollen gefunden haben. Wir können die gefunden Überreste einer Siedlung, Zisternen und Mikwen sehen.

Im Anschluß geht es nach Massada zur Festung von König Herodes I. 66 nach Christus überraschte eine Gruppe von Sikariern (jüdische Aufständische) die in Masada stationierte römische Garnison und nahm die Festung ein. Rebellen aus verschiedenen politischen Gruppierungen siedelten sich auf dem Gelände nun an, besonders nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem. Es gibt hier viele Überreste zu sehen: Befestigungsanlagen, Lagerräume, Wachtürme, Herodes´Bad, alte Palastsäulen…

In den Jahren 70 bis 73 n. Chr. kämpften in Masada insgesamt 973 Juden gegen eine Übermacht von 15.000 römischen Legionären der X. Legion unter dem Befehlshaber Flavius Silva. Ein im Grunde aussichtsloser Kampf, wenngleich die Rebellen der römischen Belagerung lange standhielten. Der Historiker Flavius Josephus berichtete, dass die Belagerten, unter Führung von Eleazar ben-Ya’ir, in dieser schwierigen Lage beschlossen, lieber als freie Menschen zu sterben, als den Römern in die Hände zu fallen und als Sklaven ihr weiteres Dasein zu fristen. „Ein ruhmvoller Tod ist besser als ein Leben im Elend.“ Per Los bestimmten sie einige Männer, die den Rest der Gruppe und anschließend sich gegenseitig töten sollten. Als die Soldaten die Festung stürmten, fanden sie nur Totenstille: 960 Männer, Frauen und Kinder hatten sich getötet. Nur zwei Frauen und fünf Kinder hatten sich verborgen und konnten berichten, was geschehen war. Die Römer bewunderten den Mut dieser Entscheidung. Durch diese Tat wurde Masada zum Symbol des jüdischen Freiheitswillens.

Die Überreste der Festung wurden in den sechziger Jahren wieder ausgegraben und Masada, nun wichtiger Mythos der zionistischen Bewegung, wurde mit der Zeit zu einem Anziehungspunkt für Einheimische wie für Touristen aus aller Welt. Während die Anderen mit der Seilbahn (mit der wir auch hochgekommen waren) wieder herunterfahren, begeben lalibertine und ich uns zu Fuß zurück nach unten.

An der Kahlia Beach am toten Meer schmieren wir uns mit angeblich heilsamen Schlamm ein und gehen baden. Wirklich schwimmen kann man hier natürlich nicht. Das enorm salzhaltige Wasser brennt furchtbar in den Augen und ich muss gleich mal duschen gehen als mir welches ins Gesicht schwappt. Fast pures Salz schmecke ich im Mund. Dennoch Spass macht es schon hier. Man legt sich einfach auf den Rücken und hat seine ganz eigene Liege. Eine Art Wasserbett sozusagen.

Zu Mittag essen wir in einem Restaurant in Jericho neben den Überresten von Ausgrabungen. Danach besichtigen wir die Überreste von Hishams Palast, benannt nach einem großen Herrscher, der ein Reich von Indien bis zu den Pyrenäen sein eigen zählte. Hier sehen wir vor allem schöne Mosaiks.

Auch zum Baum von Zachäus fahren wir. Hier hat Jesus wohl mal einen bösen Kapitalisten kennengelernt, bei dem er ein paar Tage nächtigte und dazu überredete seinen Reichtum den Armen zu schenken. Nach einem Stopp an einer Tankstelle geht es zurück nach Jerusalem, wo wir eine letzte Nacht verbringen werden.

Freitag, 18.09.2009.

Wir sind wieder in Tel Aviv, diesmal zu viert. Mit Kerstin und Christoph. Wir checken im Hayarkon 48 ein. Nach einem längeren Brunch begeben wir uns mittags zum Strand, wo wir abwechselnd schwimmen gehen. Abends essen wir in einem tschechischen Restaurant und landen im Anschluß in einer Kneipe, wo es belgisches Bier gibt. Nach einem letzten Schlummertrunk in einem englischen Pub landen wir schliesslich im Bett.

Samstag, 19.09.2009.

Unser Urlaub im heiligen Land ist zur Ende und wir fliegen mit der Lufthansa wieder zurück nach Frankfurt. Vorher müssen wir nochmal durch strenge Sicherheitskontrollen, bei der hübsche Mädels in meinem Rucksack rumwühlen, sogar in der Unterwäsche. Ob der Duft meiner Socken und Unterhosen sie wohl erfreut hat? ;)
Als wir abends in Frankfurt landen, bin ich leicht melancholisch. So schnell also ist alles wieder vorbei. Schade!
Aber eines Tages wird das heilige Land mich sicher wiedersehen.

Mehr Impressionen aus dem heiligen Land:
Sderot
Westjordanland
Masada
Jerusalem
Zionismus=Faschismus? (Verarsche)

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Oktober 5, 2009 - Posted by | Israel | , ,

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