L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Außenministerielle Fettnäpfchen

Wie sein legendärer Auftritt bei „Lafer!Lichter!Lecker!“ deutlich bewies, hat der Außenminister Luxemburgs durchaus Humor.

Dabei brachte er nicht nur Köche aus der Fassung, sondern steckte mit seiner Frohnatur auch den ansonsten eher ernsten Steinmeier an.

Kurz nachdem er im Amt wieder bestätigt wurde, unternahm er eine Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Diese wurden sofort genutzt um Hillary Clinton ein dadaistisches Gedicht vorzutragen. Und wie das Lächeln der Secretary of State beweist, weiß sie die poetischen Anstrengungen durchaus zu schätzen.

“We are an important financial place – things are good. I think the cooperation between U.S. and Luxembourg is on a very high level. We will speak – I am one of the 27 foreign ministers in the European Union, so I’ll give you my appreciation about Iran, Balkan, Middle East.”

Nice!

Aber Uns’Jean kann noch mehr. Zum Beispiel prophezeien. So konnte anhand weniger Bildern haargenau die Geschichte hinter dem afghanischen Tanklaster-Vorfall wahrnehmen.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sprach von einer „Aktion, die nicht hätte stattfinden dürfen“. Er sprach auch von einer nicht hinnehmbaren Katastrophe. „Es ist schwer zu verstehen und zu akzeptieren, warum so schnell Bomben geworfen wurden.“

Und nebenbei wird SPD-Kochkollege Steinmeier für die kommenden Wahlen unterstützt, indem gegen Verteidigungsminister und CDU-Mann Franz Josef Jung scharf geschossen wird – allerdings ohne Nato-Befehl.

Aber auch das Gesagte abzuschwächen und zu relativieren ist eine Stärke.

“Ich habe sehr spontan reagiert, als ich die Bilder der Opfer gesehen habe, nachdem ein Nato-Flugzeug Bomben abgeworfen hatte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass Deutschland impliziert war.”

Erst verbal schießen (selbstredend wieder ohne Nato-Befehl) und dann fragen.

Aber der Brüller sollte erst noch kommen: doch leider ist die Pointe dabei ein alter Hut. Kurt Beck versuchte den Witz bereits vor zwei Jahren und schon damals zündete es nicht so richtig. Und auch wenn sich im Nachinein sogar größere Namen des Politkabaretts daran versuchten, machte das den Scherz nicht besser.

Trotzdem hat die luxemburger Variante das gewisse Etwas, quasi den Flair eines Running-Gags:

„Wenn die Taliban bereit sind, in die Regierung zu gehen, wenn sie in die Regierung gewählt werden, wenn sie die Rechtsstaatlichkeit anerkennen, dann haben wir gewonnen.“

Ja, nennen wir sie nicht so, gemeint sind aber die ominösen ‘moderaten Taliban’. Diese werden dann auch nur moderat Andersgläubige hinrichten, sie werden moderat Tanz und Musik verbieten, sie werden moderat Mädchen nicht mehr zur Schule gehen lassen und binLaden & Co. werden nur noch moderat nicht ausgeliefert. Burkas sind moderat blickdicht und Steinigungen finden nur noch mit moderaten Steinen statt.

Das wäre dann wohl moderater Fortschritt.

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September 13, 2009 - Posted by | Aussenpolitik, Kurioses, Neues aus Luxemburg, Satire | , ,

3 Kommentare »

  1. Hallo JayJay,

    “dadaistisches Gedicht” sehr treffend :-)

    Ebenso surrealistisch waren seine Erklärungen zum Iran:

    http://www.gouvernement.lu/salle_presse/interviews/2009/09-septembre/09-asselborn/index.html

    Siehe letzter Abschnitt: “In Amerika, Russland oder China wird auf einen Knopf gedrückt, und die Sache läuft. Bei uns muss erst ein Konsens gesucht werden und manchmal ist das auch besser so.”

    Ja, und wenn wir einen Konsens gefunden haben stellen wir fest dass Ahmedinedschad jetzt auch einen Knopf hat…

    Kommentar von cb04 | September 14, 2009

  2. Oops, I did it again:

    http://www.gouvernement.lu/salle_presse/interviews/2009/09-septembre/14-asselborn1/index.html

    http://www.gouvernement.lu/salle_presse/interviews/2009/09-septembre/14-asselborn/index.html

    und er spricht wirklich wie von dir prophezeit von “moderaten Talibans”…

    Kommentar von cb04 | September 14, 2009

  3. “Demographisch gesehen wissen wir, wer gewinnen wird. So weit sollte und müsste es ja nicht kommen.”

    Nach dieser antisemitischen Entgleisung ist eine sofortige Demission Asselborns zu verlangen! Der Mann ist einfach untragbar geworden für jeden vernünftigen Menschen.

    Kommentar von CK | September 22, 2009


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